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Lexikon der Biologie

Sulfolobales

Sulfolobales [von Sulfolobus], Ordnung der Crenarchaeota (Archaebakterien, Klasse Thermoprotei) mit (heute) 1 Familie ( vgl. Tab. ). Die Arten sind fakultativ oder obligat chemolithoautotroph, meist extrem thermophil (thermophile Bakterien) und gleichzeitig säureliebend (thermoacidophile Bakterien). Temperaturoptimum zwischen 60 und 90 °C. Im Energiestoffwechsel sind sie meist von Schwefelverbindungen abhängig. Es gibt aerobe Arten, die Schwefel oxidieren (schwefeloxidierende Bakterien), fakultativ anaerobe und anaerobe Arten, die organische Substrate oder Wasserstoff oxidieren und dabei Schwefel bis zum Schwefelwasserstoff reduzieren (Schwefelreduzierer). Einige früher hier eingeordnete anaerobe, lithoautotrophe Arten (z.B. Pyrodictium occultum [ vgl. Abb. ], Ignicoccus islandicus, Thermoproteus tenax) werden heute in die Ordnung Desulfurococcales bzw. Thermoproteales gestellt. Sie benötigen zum Leben nur vulkanische Gase (Wasserstoff und Schwefel) und Wasser; sie sind damit die einzigen Organismen, die weder direkt von der Sonne (Licht) noch indirekt (von Sauerstoff oder organischen Substraten) abhängig sind. Überraschenderweise wurde (1985) ein fakultativ anaerobes Archaebakterium (Acidianus infernus, fälschlicherweise auch Acidothermus infernus genannt) gefunden, das bei Temperaturen bis 95 °C und pH-Werten bis 1,0 anaerob seine Energie durch Schwefelatmung und aerob durch Schwefeloxidation gewinnt. Die Zellform der Sulfolobales ist meist kokkenförmig oder unregelmäßig lappenförmig. Sulfolobales leben in kontinentalen Solfatarenfeldern (Solfataren) und submarinen Hydrothermalgebieten (Hydrothermalquellen). Typische Biotope sind z.B. der Yellowstone-Nationalpark in den USA, Island, Neuseeland, Gebiete um Vulcano (Italien) und an den „black smokers“ (Schwarze Raucher) auf dem ostpazifischen Rücken. Sulfolobus.



Sulfolobales

elektronenmikroskopische Aufnahme einiger Zellen (Anschnitte) von Pyrodictium occultum (heute Ordnung Desulfurococcales)

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