X-Chromosom s, Geschlechtschromosom, das mit (XY-Typ, z.B. Mensch, Drosophila melanogaster) oder ohne (X0-Typ, z.B. Wanzen) andersgestaltetem homologem Chromosom (Y-Chromosom) das Geschlecht des Trägers bestimmt ( vgl. Tab. ). Beim XY-Typ ist meist das Weibchen homogametisch, bei Schmetterlingen und Köcherfliegen (Schwestergruppen!) ist umgekehrt das Männchen homogametisch, das Weibchen heterogametisch (ZW-Typ; Geschlechtsbestimmung). – Die zunächst naheliegende Vermutung, daß auf dem X-Chromosom nur Gene für weibliche und auf dem Y-Chromosom nur Gene für männliche Merkmale liegen, trifft nicht zu. Das X-Chromosom des Menschen z.B. ist etwa 160 Mbp (Megabasenpaare) groß und trägt 1095 Gene, wovon die meisten geschlechtsunabhängige Merkmale (Chromosomen) codieren. Neben den Genen für weibliche Geschlechtsmerkmale werden aber auch Gene für die Ausbildung der männlichen Geschlechtsmerkmale (z.B. das Gen, das für die Bildung von Androgen-Rezeptoren [Androgene] verantwortlich ist [Tfm-Locus; Intersexualität]) gefunden. In der Humangenetik spielt das X-Chromosom seit jeher eine besondere Rolle, weil sich rezessive Allele (Rezessivität) in der Regel nur bei Männern (hemizygot) im Phänotyp bemerkbar machen. Darunter finden sich z.B. die Bluterkrankheit (Hämophilie; Bluter-Gen) und die Farbenfehlsichtigkeit (Geschlechtschromosomen-gebundene Vererbung). Barr-Körperchen, Chromosomen (Abb.), Chromosomenanomalien, Chromosomenkarte (Erbkrankheiten, Fragile-X-Syndrom, Geninaktivierung, H-Y-Antigen, Lyon-Hypothese, pseudoautosomale Region, TDF, Turner-Syndrom, X-Inaktivierung, ZFX.