Selenwasserstoff, H2Se, farbloses, nach faulem Rettich riechendes, giftiges Gas; D. des flüssigen S. 2,004 g cm-3 bei -41,3 °C, F. -65,73 °C, Kp. -41,3 °C. Als endotherme Verbindung neigt S. zum Zerfall in die Elemente: H2Se

Se + H2, ΔH = -30 kJ/mol. Er wirkt stark reduzierend. Bereits durch Luftsauerstoff wird S. in Gegenwart von Feuchtigkeit zu rotem Selen oxidiert. S. ist eine schwache, zweibasige Säure (pKS1 = 3,89, pKS2 = 11,0), deren Salze die Selenide sind.

Selenwasserstoff ist ein starkes Gift, das vor allem über den Respirationstrakt in den Körper gelangt. Geringe Mengen, die eingeatmet werden, verursachen Kopfschmerzen und Übelkeit. Höhere Konzentrationen bewirken lokale Reizerscheinungen; vor allem werden die Schleimhäute der Augen und Atemwege angegriffen ("Selenschnupfen"). Als Folgeerscheinungen beobachtet man Bronchiopneumonie, Leber-, Milz- und Nierenschädigungen.

Man gewinnt S. durch direkte Synthese aus den Elementen bei Temperaturen oberhalb 400 °C oder durch Einwirkung von Säuren auf Selenide, z. B. MgSe + 2 HCl → H2Se + MgCl2.