Fettgewebeverteilung, E fat distribution, distribution of adipose tissue, Verteilungsmuster des Fettgewebes in bestimmten Körperregionen. Für den Mann und die Frau sind bestimmte Typen der F. charakteristisch (Abb.). Sie sind besonders bei Adipösen ausgeprägt (Adipositas; Essay: Genetische Ursachen der Adipositas). Für Frauen ist die bevorzugte Ablagerung von Unterhautfettgewebe im Hüft-und Oberschenkelbereich charakteristisch (gynoide Fettgewebeverteilung bzw. gynoide Fettsucht, gluteal-femorale Fettgewebeverteilung oder periphere Fettgewebeverteilung). Beim Mann herrscht dagegen die androide Fettgewebeverteilung bzw. androide Fettsucht (abdominale Fettgewebeverteilung, abdominal-viscerale F., zentrale Fettgewebeverteilung) vor, wobei das Fettgewebe nicht in erster Linie subkutan sondern vor allem intraperitoneal deponiert wird. Die F. ist jedoch nicht streng geschlechtsgebunden, etwa 15 % der Frauen haben z. B. (genetisch bedingt) eine androide F., ebenso findet man bei einem Teil der Männer eine gynoide F. Bei stärkerer Fettakkumulation haben die beiden Formen der F. unterschiedliche gesundheitliche Bedeutung. Der androide Typ hat ein erhöhtes Risiko, einen Diabetes mellitus Typ 2, eine Hypertonie sowie eine Hyper-und Dyslipidämie zu entwickeln. Als Ursache wird dafür die deutlich höhere Ansprechbarkeit des abdominal-visceralen Fettgewebes gegenüber lipolytisch wirksamen Hormonen (Catecholamine, Somatotropin, Testosteron) und die dadurch erhöhte Freisetzung von Fettsäuren aus dem abdominalen Fettgewebe angenommen. Die erhöhte Fettsäurekonzentration im Blut führt zu einer verminderten Glucoseverwertung durch die Skelettmuskulatur, zu erhöhter Gluconeogenese in der Leber, zu erhöhten Blutfettwerten und zu Insulinresistenz. Aus diesen Stoffwechselauslenkungen entwickeln sich dann die mit der androiden F. eng assoziierten Folgeerkrankungen.

Die F. lässt sich durch Messung des Taillen- bzw. Hüftumfangs oder allein des Taillenumfangs relativ einfach beurteilen. Der Taillenumfang (in cm) wird in der Mitte zwischen dem Rippenunterrand und dem Beckenoberrand, etwa in Nabelhöhe gemessen. Der Hüftumfang wird in Höhe des Hüftgelenkes, am oberen Endes des Oberschenkelschaftes gemessen. Der Quotient aus Taillen- und Hüftumfang (E waist to hip-ratio, WHR) sollte bei Männern nicht höher als 1,0 sein, bei Frauen nicht mehr als 0,85. Noch einfacher ist die Bewertung nach dem Taillenumfang allein. Ein zunächst noch geringgradiges Risiko liegt bei Männern bei einem Taillenumfang von mehr als 94 cm vor, bei Frauen bei mehr als 80 cm. Deutlich erhöht sind die Risiken, wenn der Taillenumfang bei Männern mehr als 102 cm und bei Frauen mehr als 88 cm beträgt.Wenn diese Grenzwerte von Übergewichtigen oder Adipösen überschritten werden, besteht ein erhöhtes Risko, an den mit der androiden Adipositas assoziierten Folgeerkrankungen zu erkranken. Das bestehende Übergewicht bzw. die Adipositas sollten dann ärztlich behandelt werden.


Fettgewebeverteilung: Androide (oben) und gynoide Fettgewebeverteilung schematisch. Fettgewebeverteilung