Forschungsethik, beschäftigt sich mit der Ethik des wissenschaftlichen Handelns. Die Verantwortlichkeit wissenschaftlichen Handelns kann man analytisch in drei Bereiche gliedern. Jeder dieser Bereiche wird mit spezifischen Fragen konfrontiert: a) die Ethik der Ziele wissenschaftlicher Handlungen, b) die Ethik der Mittel wissenschaftlicher Handlungen und c) die Ethik der absehbaren Folgen wissenschaftlicher Handlungen.

Darüber, auf welche und auf wessen ethische Standards sich die Beurteilung zu beziehen hat, besteht kein allgemeiner Konsens. Allgemein akzeptiert ist die Forderung, dass Forscher ihre wissenschaftlichen Handlungen selbst verantworten können müssen. Daneben bestehen die übergeordneten rechtlichen Rahmenbedingungen auf nationaler und internationaler Ebene, die als Maßgaben der Beurteilung herangezogen werden können. Diese ethischen Standards sind Gegenstand der gesellschaftlichen Konsensfindung.

Für die persönliche wie für die gesellschaftliche Ebene besteht das Problem der Verantwortung der unvorhersehbaren Folgen wissenschaftlichen Arbeitens. Sobald die Hervorbringer neuen Wissens ihre Ergebnisse publik gemacht haben, entschwindet das Produkt in der Regel ihrer Verfügungsmacht. Für welche Ziele ihre Produkte eingesetzt werden, können sie nicht mehr bestimmen.

Für die Forschungspraxis können trotzdem einige ethische Mindestforderungen formuliert werden. Erstens sollte nicht übersehen werden, dass die Verantwortung des Ziels und der absehbaren Folgen der Verantwortung der eingesetzten Mittel grundsätzlich überzuordnen ist. Aber, wie am Beispiel der aktuellen biologischen und pharmazeutischen Forschung offensichtlich wird, nicht bedingungslos. Zweitens sollen die Forscher wissenschaftlichen Standards verpflichtet sein und nicht im Auftrag solcher Gruppen handeln, von denen sie wissen, dass sie das produzierte Wissen außerhalb ihres Verantwortungsbereiches verwenden. Diese Forderung setzt die Enthüllung der Herkunft finanzieller und anderer Unterstützungen voraus. Drittens sind im Rahmen der Sozialforschung den erforschten Personen immer faire Bedingungen zu gewähren, d.h. im Sinne einer Minimalforderung, dass sie immer über das Ziel der Erhebung zu informieren sind, und dass ihnen immer ein vollkommener Persönlichkeitsschutz (Anonymität, Vertraulichkeit) und Datenschutz gewährleistet werden muss.

BW