Plantagenwirtschaft, agrarwirtschaftliche Betriebsform in den Entwicklungsländern, die durch arbeitsintensive und/oder kapitalintensive Produktionsweise gekennzeichnet ist und zumeist Monoprodukte für den Weltmarkt produziert. Ihre Anfänge hat die Plantagenwirtschaft im beginnenden Kolonialzeitalter (16.Jh.), als Europäer zur Befriedigung der europäischen Nachfrage Plantagen in den heutigen Entwicklungsländern aufbauten. Es wurden diejenigen pflanzlichen Erzeugnisse produziert, die aus klimatischen Gründen in Europa nicht erzeugt werden konnten (z.B. Zuckerrohr, Kakao, Kaffee, Ananas, Baumwolle, Tee, Ölpalmen und Kautschuk). Die benötigten Plantagenarbeiter wurden über Versklavung aus Afrika (Dreieckshandel, Sklaverei) und später über Anwerbung von Kontraktarbeitern aus Asien importiert. Die Hauptmerkmale der kolonialzeitlichen Plantagen sind: Erzeugung von Rohstoffen der tropisch-subtropischen Klimazonen, intensive Wirtschaftsweise, Großbetriebe mit ausgedehnten Kulturflächen und mit teilweise technisch-industriellem Charakter, hoher Kapital- und Arbeitskräftebedarf, Weltmarktorientierung, Führungskräfte und Eigner waren in der Regel Europäer und Nordamerikaner, Unterscheidung vom bäuerlichen Betrieb durch Tendenz zur Monokultur, Größe der Anbaufläche und höhere technische Ausstattung. Seit der Entkolonisierung und infolge der allgemeinen sozio-ökonomischen Veränderungen hat sich auch in der Plantagenwirtschaft ein Wandel vollzogen. Die moderne Plantage der Postkolonialzeit kann wie folgt beschrieben werden: Sie ist ein Wirtschaftsunternehmen unter zentralem Management, das auf die Produktion und die unmittelbare Verarbeitung von Pflanzen spezialisiert ist und dabei wissenschaftliche Methoden und effiziente Produktionstechniken anwendet. Kulturen, die ihren Anbauschwerpunkt in Plantagen haben, sind überwiegend Dauerkulturen mit ganzjähriger Erntezeit. Diese sind vorteilhafter als Saisonfrüchte mit ausgesprochenen Arbeitsspitzen, da die Auslastung von Arbeitskräften und technischen Anlagen gleichmäßiger ist. Für Saisonfrüchte eignet sich dagegen der kleinbäuerliche Betrieb mit seiner größeren Arbeitselastizität besser. Gingen infolge der Entkolonisierung Anzahl und Betriebsfläche der Plantagen vorübergehend zurück, spielen die Plantagen heute eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft. Die moderne Plantagenwirtschaft hat sich zu einem komplexen agrarindustriellen Produktionssystem (dem sog. Agrobusiness) entwickelt, das weitgehend von multinationalen Kapitalgesellschaften organisiert und kontrolliert wird (Abb. 1-6).

KK


Plantagenwirtschaft 1: Plantagenwirtschaft 1: Mechanisierte Ananasernte auf Maui, Hawaii.

Plantagenwirtschaft 2: Plantagenwirtschaft 2: Transportlift auf Bananenpflanzung bei Limón, Costa Rica.

Plantagenwirtschaft 3: Plantagenwirtschaft 3: Manuelle Zuckerrohrernte auf Viti Levu, Fiji.

Plantagenwirtschaft 4: Plantagenwirtschaft 4: Mechanisierte Zuckerrohrernte auf Kauai, Hawai.

Plantagenwirtschaft 5: Plantagenwirtschaft 5: Biologische Kaffeeplantage mit Schattenbäumen und Kompost im Soconsuco, Mexico.

Plantagenwirtschaft 6: Plantagenwirtschaft 6: Chemotechnische Kaffeeplantage bei Turrialba, Costa Rica.