Empathie w [von griech. empatheia = Leidenschaft], E empathy, Bezeichnung für die Erfahrung, unmittelbar der Gefühlslage eines anderen teilhaftig zu werden und sie somit zu begreifen. Auslösende Reize für das empathische Erlebnis sind das Ausdrucksverhalten eines anderen bzw. die Situation, in der dieser sich befindet. Die ausdrucksvermittelte Empathie baut auf dem Mechanismus der Gefühlsansteckung auf; erst die Entwicklung eines Selbstkonzepts erlaubt es jedoch, das mitempfundene Gefühl bei anderen zu lokalisieren. In der situationsvermittelten Empathie kommt dem Selbstkonzept daneben noch die Funktion zu, mittels Perspektivenübernahme die Situation eines anderen nachzuvollziehen. Empathie ist wahrscheinlich reifungsbedingt und tritt beim Menschen in der zweiten Hälfte des zweiten Lebensjahres erstmals auf. Zeitgleich gewinnt ein Kind die Fähigkeit, sich im Spiegel zu erkennen, und zeigt damit an, daß es ein Selbstkonzept entwickelt hat. Der Selektionsdruck für die Entwicklung der Empathie in der Phylogenese dürfte die Anforderung gewesen sein, die die Hominiden beim Übergang zu einer jagenden und somit Koordination verlangenden Lebensweise zu bewältigen hatten. Auch höhere Primaten, insbesondere die Menschenaffen, verfügen über primitive Formen eines Selbstkonzepts. Sie zeigen erste Ansätze von Perspektivenübernahme und damit auch von Empathie.