Frontallappen m [von latein. frons, Genitiv frontis = Stirn, Vorderseite], Frontalhirn, Lobus frontalis, Stirnlappen, E frontal lobe, der Teil der Großhirnrinde, der vor der Zentralfurche (Sulcus centralis) liegt ( siehe Abb. ). Er kann unterteilt werden in eine somatomotorische Präzentralregion und eine größere Präfrontalregion. Die Präzentralregion liegt direkt vor der Zentralfurche. Sie besteht aus dem Gyrus praecentralis (Area 4 nach Brodmann, dem Motorcortex im engeren Sinne), sowie der direkt davor liegenden prämotorischen Area (Area 6) und der auf der Medianfläche des Gehirns anzutreffenden supplementär-motorischen Area (Area 6 aα und 8). Diese Gebiete sind zuständig für die Willkürmotorik einschließlich Initiierung und Planung der Bewegung. Schädigungen dieser Felder resultieren in Lähmungen der gegenseitigen Körperhälfte. Auch das frontale Augenfeld (Area 8), von dem willkürliche Augenbewegungen ausgehen, und das nur auf der linken Hemisphäre anzutreffende motorische Sprachzentrum Broca (Area 44 und 45, Broca-Areal) werden zur Präzentralregion gerechnet. - Die Präfrontalregion ist der Teil der Hirnrinde, der beim Menschen stammesgeschichtlich überproportional an Größe zugenommen hat. Er weist alle Charakteristika des Assoziationscortex auf. Vor der Einführung der Psychopharmaka wurden bei Patienten, die an schweren endogenen Psychosen litten, die Verbindungen zwischen Präfrontalregion und Thalamus durchtrennt (Lobotomie), weil durch die resultierende Antriebsarmut die Patienten danach scheinbar umgänglicher waren. Aus heutiger Sicht ist die Präfrontalregion an allen Denkprozessen unter Einbezug emotionaler (Emotionen) und rationaler Elemente beteiligt ( siehe Zusatzinfo ). Eine Analyse von Informationen und die daraus folgende langfristige, strategische Planung von Aktionen ist nur bei intakter Präfrontalregion möglich. Frontallappensyndrom; Frontallappendemenz.



Frontallappen

Areale des Frontallappens

Frontallappen

Die Frontalregion scheint für höhere kognitive Aufgaben wie Humor, Emotionen und Persönlichkeit eine bedeutende Rolle zu spielen. Personen, die Läsionen im Bereich des Frontallappens aufweisen (z.B. durch Tumore oder Schlaganfälle), weichen vor allem in Bezug auf ihren Humor deutlich von der Norm ab. Sie wirken manchmal albern, lachen häufig übertrieben auf oder erzählen zu unpassenden Zeitpunkten Witze. Auch der generelle Sinn für Humor scheint vom ironischen Wortwitz hin zu Klamauk und Slapstick verschoben. Am deutlichsten waren diese Veränderungen bei Patienten mit Schäden im rechten vorderen Frontallappen.



Die Area 24 (Sitz der Fähigkeit komplexer Problemlösungen und der Kontrolle der Feinmotorik im Mund, in der Kehle und der Stimmbänder) im Frontallappen der Menschen und Menschenaffen weist eine Besonderheit auf, die bei keiner anderen Tierart zu finden ist: Sie ist überdurchschnittlich groß und enthält eine besondere Art von Nervenzellen, vermutlich eine Abart der pyramidenförmigen Spindelzellen, die in den Gehirnen anderer Säugetiere fehlen. Der menschliche Frontallappen enthält die meisten dieser Zellen, danach folgen in der "Rangliste" Bonobo, Schimpanse, Gorilla und Orang-Utan. Der hohe Anteil dieser Zellen beim Menschen könnte zur Beantwortung der Frage beitragen, wodurch die Entwicklung der Sprache, des Selbstbewußtseins und der Kontrolle der Gefühle in der menschlichen Evolution ermöglicht wurde.