mere-exposure-Effekt, Effekt der Darbietungshäufigkeit, Die frühere Konfrontation mit einem Reiz (mere exposure) ist bereits eine hinreichende Bedingung dafür, daß dieser Reiz bei einer späteren Begegnung positiver bewertet wird. Dieses Phänomen zeigt sich beispielhaft in folgender Versuchsanordnung (in Anlehnung an Zajonc, 1968): Versuchspersonen betrachten chinesische Schriftzeichen. Einige Zeichen sind in der Darbietung häufiger vertreten als andere. Da die Personen die komplexen Schriftzeichen nicht verstehen, erkennen sie nicht, welche Zeichen sie häufiger gesehen haben. In einer späteren Befragung sollen die Probanden angeben, für wie positiv sie die Bedeutung verschiedener chinesischer Schriftzeichen halten. Hierbei schneiden die gesehenen Zeichen besser ab als nicht gesehene, und häufig gesehenen Zeichen wird eine positivere Bedeutung unterstellt als seltener gesehenen. Die Versuchspersonen bevorzugen das zuvor gesehene Material, ohne sich bewußt an die frühere Darbietung zu erinnern. Daher ist der “mere-exposure”-Effekt ein Beispiel für implizites Erinnern (Erinnern, implizites).

“Mere-exposure”-Effekte lassen sich mit unterschiedlichem Stimulusmaterial nachweisen, seien es nun visuelle, auditive oder olfaktorische Reize. Praktisch bedeutet dies, daß es oft genügt, einen Stimulus (z.B. ein neues Produkt, das Logo einer Firma, ein Jingle, das Gesicht oder den Namen eines politischen Kandidaten...) kommentarlos zu präsentieren, um in der Folge mit einer positiveren Reaktion der Betrachter rechnen zu können. Allerdings ist nicht unter allen Präsentations-Bedingungen mit einem “mere-exposure”-Effekt zu rechnen. In einer Meta-Analyse von über 200 veröffentlichten Untersuchungen (Bornstein, 1989) wurden unter anderem folgende Bedingungen für das Auftreten des “mere-exposure”-Effekts ermittelt. Der Effekt ist besonders stark

– bei komplexen im Unterschied zu einfachen Reizvorgaben,

– wenn das Affekturteil nicht unmittelbar nach der Präsentation gefordert wird,

– bei relativ kurzer Darbietungszeit (eine Sekunde und weniger genügt),

– bei einer mittleren Häufigkeit von Darbietungen (etwa zehn Reizkonfrontationen),

– wenn sich die Versuchspersonen nicht daran erinnern, den Reiz in einer früheren Darbietung schon einmal verarbeitet zu haben.

Die Bedingungen legen nahe, daß es sich beim “mere-exposure”-Effekt nicht um einen Wiedererkennungseffekt handelt. Bewußtes Erinnern dämpft vielmehr den Effekt (Einstellungen, Vorurteil, Werbepsychologie).

G.Fe.