Neugier, Wissensdurst; ein Zustand, der einhergeht mit einer erhöhten Bereitschaft eines Organismus, sich neuen, ungewohnten und komplexen Situationen und Objekten auszusetzen bzw. diese aktiv aufzusuchen. W. McDougall definierte Neugier als Instinkt, bestehend aus einer Antriebskomponente, einer Affektkomponente und einer Verhaltenskomponente. Er bezeichnete Neugier als den wichtigsten Kern der Motivation. Sie sei die Grundlage für die besonderen wissenschaftlichen und kulturellen Leistungen der Menschen. Feststellbar ist, daß Neugier bei Kleinkindern schon vor dem Auftreten der Sprache zu beobachten ist. Um Neugier auszulösen, ist eine Neuheit des Stimulus erforderlich. Berlyne ergänzte Neuheit um mehrere Variablen: Veränderung, überraschendes Auftreten, Inkongruenz, Komplexität. Er verstand unter Neugier ein Trieb-Anreiz-Konstrukt. Spätere Erklärungsversuche beziehen sich auf Neugier als ein komplexes Emotions-Motivations-Konstrukt, dem Explorationsverhalten als beobachtbare Handlung theoretisch zugeordnet ist. Das impliziert den psychischen Prozeß der Regulation und richtet den Blick auf das Handeln. Berlyne unterscheidet eine spezifische Neugier, die sich auf ein bestimmtes Objekt richtet, das Aufmerksamkeit eher unfreiwillig erzwingt, und diversive Neugier, die eine breit gefächerte Aufmerksamkeit beinhaltet. Sie motiviert dazu, Situationen aufzusuchen, die anregend wirken (intrinsische Motivation, Interesse, Hochbegabung, Leistung, Problemlösen). Die Nähe der spezifischen Neugier zu Angst scheint naheliegend, doch der geringere Grad der Fremdheit wirkt weniger stark stimulierend.

Literatur

Euler, H. A. & Mandl, H. (1983). Emotionspsychologie: Ein Handbuch in Schlüsselbegriffen. München: Urban.