Obwohl Marmorkrebse (Procambarus fallax forma virginalis) bereitwillig kopulieren, können sie ohne Partner Nachkommen hervorbringen. Diese überraschende Beobachtung machten Aquarianer schon vor Jahren. Nun haben­ Biologen um Frank Lyko vom Deutschen Krebs­forschungszentrum (Heidelberg) in umfangreichen gene­tischen Analysen bestätigt, dass die Tiere eine eigenständige, sich asexuell vermehrende Spezies darstellen.

Marmorkrebse kommen weltweit vor und treten, soweit bekannt, nie als Männchen auf. Lyko und sein Team haben das Erbmaterial zahlreicher Exemplare untersucht. Dabei stellten sie fest, dass die Krebse allesamt genetisch identisch sind und offenbar von einem einzigen Individuum abstammen. Mit anderen Worten: Sie sind Klone.

Die Forscher vermuten, eine plötz­liche Temperatur­änderung vor 20 bis 30 Generationen könne dafür gesorgt haben, dass sich die Eizellen eines Everglades-Sumpf­krebsweibchens nicht richtig teilten. Infolgedessen sei ein Jungtier entstanden, das einen dreifachen Chromoso­mensatz, also überzählige Chromosomen besaß. Es habe sich ungeschlechtlich vermehrt und so alle späteren Marmorkrebse hervorgebracht. Überzählige Chromosomen kommen in der Natur zwar häufig vor, in der Regel können die betroffenen Organismen aber keine Nachkommen in die Welt setzen.

Wie die Analysen der Forscher weiter zeigten, ist die DNA von Marmorkrebsen deutlich weniger methyliert als die ihrer Vorgängerspezies Procambarus fallax. Demnach haben epigenetische Mechanismen offenbar eine große Rolle beim Abspalten der neuen Art Procambarus fallax f. virginalis gespielt.