Angkor Wat, die im Dschungel Kambodschas liegende, fast 200 Quadratkilometer große Ruinenstätte, ist berühmt für seine monumentalen Steinbauten mit ihren Statuen und verzierten Friesen. Doch sie ist nur eine von mehreren großen Tempelanlagen in dem 1000 Quadratkilometer großen Angkor-Gebiet. Diesen Zeugnissen von Herrschaft und Religion galt bis vor wenigen Jahren das Hauptinteresse der Forscher. Insbesondere anhand der Inschriften rekonstruierten sie die Geschichte des antiken Khmer-Reichs (9. – 15. Jahrhundert n. Chr.). Sie begann demnach im 8. Jahrhundert mit König Jayavarman II. Dieser sei aus dem Land Java zurückgekehrt (ob es sich dabei um die heutige Insel diesen Namens handelt, ist umstritten), um die verschiedenen Fürstentümer zu einen. Eines davon kannten die Chinesen als Königreich von Chenla; es erstreckte sich von Kambodscha nach Nordosten bis ins heutige Thailand und im Süden bis nach Vietnam. Im Jahr 802 ließ er sich dann in Mahendraparvata auf dem heutigen Plateau von Phnom Kulen zum "universellen Souverän" aus weltlicher und "Gottkönig" aus religiöser Sicht ausrufen. Seinen Lebensabend verbrachte der erfolgreiche Dynastiegründer in Hariharalaya, das anhand von Inschriften als Ruinenstätte Roluos etwa 15 Kilometer südöstlich von Angkor identifiziert wurde.

Jayavarman II. begründete das Königreich von Angkor aber nicht nur in politischer Hinsicht. Er rief auch Kultpraktiken ins Leben, die bis zu den letzten Dynastien Gültigkeit hatten. Zudem begann mit ihm eine Zeit, in der sich mehrere Residenzen im Gebiet von Angkor ablösten, bis dieses im 15. Jahrhundert aus vermutlich klimatischen, politischen oder wirtschaftlichen Gründen ganz aufgegeben wurde. …