"Ab heute mach ich Dienst nach Vorschrift!" Das klingt in unserer leistungsbezogenen Gesellschaft nach einer Drohung und nicht nach dem Versprechen, seine Aufgaben angemessen zu erfüllen. Denn Unternehmen fordern meist mehr: überdurchschnittliches Engagement, Begeisterung, Flexibilität und die Bereitschaft, Überstunden zu machen. Zu viel davon ist allerdings ungesund. Überforderte wie auch überengagierte Mitarbeiter drohen auszubrennen.

Ein Wechselspiel aus persönlicher Veranlagung und Einstellung sowie den äußeren Bedingungen treibt Arbeitnehmer in die Burnout-Spirale: Maßlose Leistungsbereitschaft auf Seiten des Angestellten trifft auf maßlose Anforderungen. Eine geringe Abgrenzungsfähigkeit trifft auf den Trend zur Dauererreichbarkeit. Hinzu kommen permanente Umstrukturierungen und Unsicherheit durch befristete Beschäftigungsverhältnisse. Irgendwann wird der Arbeitnehmer zum Spielball all der Anforderungen, denen er gerecht zu werden versucht.

Burnout ist eine Stressreaktion, die sich schleichend über eine längere Zeit, manchmal sogar über mehrere Jahre hinweg entwickelt und sich unbehandelt zunehmend verschärft. Es beginnt mit körperlicher und emotionaler Erschöpfung – etwa chronischer Müdigkeit und Verstimmtheit – und kann sich nach längerer Zeit zu massiven körperlichen Leiden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes auswachsen. Sukzessive bleibt vieles auf der Stecke: Leistung, Motivation und Kreativität ebenso wie die emotionale Schwingungsfähigkeit, also die Fähigkeit, Gefühle zu empfinden, die einer Situation angemessen sind. Je mehr sich die Symptomatik auf alle Erlebens- und Handlungsbereiche ausweitet, umso größer wird das Risiko, eine ausgewachsene Depression zu entwickeln.

Stehen die Betroffenen am Anfang der Abwärts­spirale, lässt sich noch viel mit Maßnahmen wie Auf­klärung, Achtsamkeitstrainings, Kurse für besseres Stressmanagement sowie Umgestaltung der Arbeitsbedingungen erreichen …