Das Gehirn von Tauben ist ganz anders aufgebaut als das von Menschen. Dennoch versetzt es sie in die Lage, in begrenztem Umfang mit Buchstaben umzugehen, wie eine Studie belegt. Die Vögel prägten sich dutzende Wörter aus vier Buchstaben ein und lernten sie von ähn­lichen, aber falsch geschriebenen Wörtern zu unterscheiden. Ihre Leistung war ähnlich gut wie die von Pavianen, die früher bereits denselben Test absolviert hatten. Das zeigt, dass es für grundlegende Aufgaben beim Lesen offenbar keiner spezialisierten Hirnregion bedarf.

Entscheidend für diese Schlussfolgerung der Forscher um Damian Scarf von der University of Otago war vor allem die Art und Weise, wie die Tiere Fehler machten. Ihre Tauben irrten sich eher, wenn das unbekannte Testwort ein erlaubtes Wort der englischen Sprache statt einer unüblichen Buchstabenkombination darstellte. Demnach prägten sie sich beim Training nicht allein die Form der Wörter oder die Abfolge der Buchstaben ein, sondern auch einige Regelmäßigkeiten der englischen Orthografie – beispielsweise, dass »N« und »G« oft aufeinander folgen.

Wie Menschen oder Paviane waren sie überdies empfänglich für Vertauschungen innerhalb eines Wortes. "PLAY" und "PALY" sind bezüglich der grafischen Gestalt etwa sehr unterschiedlich (verglichen mit "PLAY" und "PIAY"), im Hinblick auf ihre Buchstabenanordnung aber sehr ähnlich. Dass die Tauben Wortpaare mit Buchstabendrehern verwechselten, deutet darauf hin, dass sie die Wörter tatsächlich in ihre Buchstabenbestandteile zerlegt hatten und sich nicht nur das Wortbild merkten. (jd)

Proc. Natl. Acad. Sci. USA 10.1073/pnas.1607870113, 2016