Gekrönten Häuptern kommt heutzutage in Europa vor allem eine repräsentative Funktion zu. In früheren Zeiten aber regierten sie, gestützt auf eine adlige Oberschicht, über Volk und Reich. Die Ursprünge der Monarchie reichen im Abendland bis in jene Umbruchphase zurück, in der aus der Spätantike das frühe Mittelalter hervorging. Historiker und Archäologen zeigten inzwischen: Das Imperium Romanum trieb diese Entwicklung unabsichtlich voran.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. war es in den nordalpinen Raum bis zum Rhein vorgedrungen, und die in den neuen Provinzen ansässige überwiegend keltische Bevölkerung übernahm allmählich die mediterrane Kultur. Auf der anderen Rheinseite aber begann in den Augen der Römer das Barbaricum, das heißt ein unzivilisiertes und potenziell feindliches Terrain. Zwar gilt die Vorstellung inzwischen als überholt, Rom habe nach der verlorenen Varusschlacht 9 n. Chr. alle Eroberungsambitionen aufgegeben. Faktisch aber fungierte der Fluss von da an für fast fünf Jahrhunderte als natürliche Grenze gegen die "Germanen", wie man sie nannte.

Diese Bezeichnung stellte allerdings eine starke Vereinfachung dar, suggeriert sie doch Homogenität, während die in jenen Gebieten lebenden Gruppen ethnisch, kulturell und politisch sehr verschieden waren. Zwar hatten ihre Sprachen einen gemeinsamen Ursprung, den Linguisten in Anknüpfung an die römischen Konventionen als Germanisch bezeichnen. Aber schon im 1. Jahrhundert v. Chr. war daraus eine Vielzahl von Einzelsprachen hervorgegangen. Grundsätzlich könnte in einigen Gebieten noch eine Verständigung untereinander möglich gewesen sein, doch spätestens in nachchristlicher Zeit dürfte ein an der Ostsee lebender "Germane" einen Bewohner des südlichen Barbaricums kaum noch verstanden haben. …