Seine Freunde nennen ihn "Kimputer". Kim Peek ist heute Mitte fünfzig. Dicke Bücher liest er in ein, zwei Stunden durch, mit kaum zehn Sekunden pro Seite – und stellt sie dann kopfüber ins Regal. Denn nun hat er alles, was darin steht, exakt parat: die Namen der handelnden Personen, die Texte im Wortlaut, selbst die Seitenzahlen der Textpassagen weiß er noch nach Jahren. Medizinisch gesehen ist Peek ein "Inselbegabter", ein "Savant" (nach dem französischen Wort für "Gelehrter"). Typisch dafür sind unter anderem herausragende punktuelle Gedächtnisleistungen bei oft mehr oder weniger starken geistigen Defiziten im Allgemeinen. Der Londoner Arzt J. Langdon Down beschrieb das Syndrom 1887. Bei vielen Savants richtet sich die Inselbegabung auf ein bestimmtes Gebiet. Aufallend oft ist das Musik, bildende Kunst oder Mathematik. Down erwähnte damals unter anderem einen Jungen, der das klassische sechsbändige Werk "Geschichte des Verfalls und Untergangs des Römischen Reiches" des britischen Historikers Edward Gibbon (1737 – 1794) hersagen konnte.