Jackie Harrison, gespielt von Susan Sarandon, bekämpft ihre Übelkeit während der Chemotherapie mit einem Joint – und plaudert dabei entspannt mit der neuen Frau ihres Ex. Eine Szene aus dem Film "Seite an Seite", die in dem Hollywood­drama kaum auffällt, aber treffend beschreibt, was in den USA gängige medizinische Praxis ist. Tatsächlich sind Cannabisderivate mittlerweile in 23 US-amerikanischen Bundesstaaten für die medizinische Behandlung zugelassen. In Kalifornien wurde die Droge bereits 1996 für Therapiezwecke legalisiert, nach einer großen Kampagne schwerkranker Patienten, die an multipler Sklerose (MS) oder einer HIV-Infektion im Endstadium litten. Andere Staaten zogen nach. Heute erhalten schätzungsweise 1,1 Millionen Menschen in den USA Cannabis, knapp die Hälfte von ihnen lebt in Kalifornien.

Doch in den Augen vieler Ärzte und Patienten ist das grundlegende Problem immer noch un­gelöst: Es gibt keine überregionale legale Versorgung der Patienten fernab der kriminellen Wege. Denn die Gesetzeslage zum Anbau und Besitz von Marihuana in den USA ist uneinheitlich und widersprüchlich. Während in Texas selbst der medizinische Gebrauch unter Strafe steht, ist dieser etwa in Nevada gestattet, die Substanz wird dort aber dennoch als illegales Betäubungsmittel gelis­tet, was klinische Wirksamkeitsstudien erschwert. In Colorado und Washington wiederum dürfen seit 2014 alle Bürger über 21 Jahre Marihuana kaufen und konsumieren – egal zu welchem Zweck. Alaska und Oregon ziehen demnächst nach; in einer Volksabstimmung Ende 2014 stimm­ten die Wähler dort ebenfalls für eine Legalisierung. Sie soll den illegalen Handel in die Schranken weisen und dem Staat zusätzliche Steuereinnahmen bescheren – Colorado etwa rechnet mit 184 Millionen US-Dollar pro Halbjahr …