Merle Weiden wird ihn nie vergessen, den Tag, den sie als den schlimmsten ihres ­Lebens bezeichnet. Damals stand ihre elfjährige Tochter Lena auf einmal mit blutüberströmten Händen vor ihr. Mit einer Rasierklinge hatte sie sich zwei Fingerkuppen aufgeschnitten. Das "Männlein" habe ihr gesagt, sie solle das tun, ­erklärte das Mädchen seiner entsetzten Mutter. Dabei deutete es auf seinen Kopf, wo Lena einen blauen Geist wähnte, der ihr Befehle gab. "Da schrillten bei mir alle Alarmglocken", erinnert sich Weiden. "Mir war schlagartig klar, dass etwas ganz gewaltig nicht stimmt."
Umgehend packte sie die Tochter ins Auto und fuhr mit ihr in die Klinik. Dass der Albtraum gerade erst seinen Anfang nahm, ahnte sie zu diesem Zeitpunkt nicht. Die Untersuchungen der Ärzte ergaben, dass Lena an Schizophrenie litt: einer schwer wiegenden psychiatrischen Erkrankung, die mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen einhergehen kann, Störungen im Denken sowie verminderte Gefühlsreaktionen mit sich bringt …