Es soll 1944 während des Zweiten Weltkriegs gewesen sein: Eine Krankenschwes­ter, die unter dem amerikanischen Militärarzt Henry Beecher in einem Lazarett arbeitete, pflegte einen Verwundeten, der unter furchtbaren Schmerzen litt. Aber ihr war das Morphin ausgegangen, das stärkste Schmerzmittel dieser Zeit, und sie brachte es nicht übers Herz, dem Soldaten zu sagen, dass sie nichts für ihn tun könne. Stattdessen zog sie in einer großen gläsernen Spritze eine einfache Kochsalzlösung auf, gab ihrem Patienten die Injektion und sagte zu ihm: "Das ist ein starkes Medikament, es wird Ihnen gleich besser gehen." Und in der Tat: Wie durch ein Wunder ließen die Schmerzen nach.

Die Krankenschwester handelte intuitiv und aus Mitgefühl – der Placeboeffekt war damals noch nahezu unbekannt. Dennoch linderte die positive Erwartung, dass das vermeintliche Medikament ihm helfen würde, die Schmerzen des Soldaten. Doch warum? Und sollten Ärzte und Krankenschwestern Patienten überhaupt solche "Gefallen" tun und ihnen für einen guten Zweck wirkungslose Pillen verabreichen?

Placebo kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "Ich werde gefallen". Lange wollte die wissenschaftliche Medizin nicht wahrhaben, wie mächtig die Kräfte der Erwartung und der positiven Einstellung sind; sie wurden eher als Störfaktoren in der "richtigen" Behandlung angesehen. Tatsächlich ist der Effekt der Autosugges­tion so stark, dass man mittlerweile bei der Erprobung neuer Medikamente immer erst beweisen muss, dass sie einem Scheinpräparat überlegen sind. Und das ist gar nicht so einfach. In langen Versuchsreihen wird dafür gesorgt, dass weder die Ärzte noch die Patienten wissen, wer das echte und wer das falsche Mittel bekommt – der berühmte Doppelblindversuch.