Die Serengeti in Ostafrika gilt als Urbild unberührter Wildnis – eine weite, hier und da mit Akazien durchsetzte Savanne mit riesigen Herden grasender Zebras und Gnus, dazwischen Elefanten und Giraffen. Typischerweise gehören zur Szenerie Löwen und Hyänen, die satt gefressen unter Bäumen dösen oder auf die nächste Mahlzeit lauern. Nach unserer Vorstellung sehen die heutigen ostafrikanischen Nationalparks kaum anders aus als vor zwei Millionen Jahren, als dort schon Menschen lebten: die ersten Arten der Gattung Homo. Unsere afrikanischen Vorfahren, so glaubte man bislang, haben diese Ökosysteme praktisch nicht verändert.

Nach meinen Fossilstudien gab es jedoch in Ostafrika zu Zeiten, bevor die Gattung Homo erschien, deutlich mehr Arten von großen Raubtieren als später, und vor allem deckten sie ein viel breiteres ökologisches Spektrum ab als die wenigen heutigen. Bemerkenswert ist dabei, dass der Schwund der Großraubtiere und ihrer Diversität offenbar gerade in dem Zeitraum einsetzte, als die frühen Menschen mehr Fleisch zu verzehren begannen und damit in Konkurrenz zu ihnen traten – vor etwas über zwei Millionen Jahren. Die Analysen der Befunde zeigen meines Erachtens: Lange bevor Homo sapiens vor wenigen hunderttausend Jahren auf der Bildfläche erschien, haben frühere Menschen ein Aussterben in beträchtlichem Maß in Gang gebracht.

Diese starken Umwälzungen müssen sich damals schon auf die übrige Tier- wie auf die Pflanzenwelt ausgewirkt haben. Sollte meine Vermutung richtig sein, dann hätte unsere Gattung von Anfang an Ökosysteme radikal verändert. Schon die vergleichsweise sehr kleinen Populationen der Frühmenschen prägten demnach ihre Umwelt. …