Gwen hasste diesen Teil der Arbeit: einem neuen Zeugen die Erinnerungen zu extrahieren.

Die Frau saß ihr gegenüber in dem Zelt, das die Chicagoer Polizei hastig neben dem Ort der Schießerei errichtet hatte. Sie schwieg, stand offenbar unter Schock, war mit Blut bespritzt. Die Tasse Kaffee vor ihr hatte sie nicht einmal angerührt. Gwen war froh, dass der Kaffeeduft den säuerlichen Geruch von Blut und Angstschweiß wenigstens teilweise überdeckte.

Sie überflog das Protokoll. Der Name der Zeugin war Meghan Johnson. Sie war jung. Ein hübsches Gesicht. Sie trug einen einfachen Ehering. Der Extraktor stand auf dem Tisch, dazu Sender und Empfänger, beide an ein Haarnetz erinnernd. Das grüne Licht signalisierte Betriebsbereitschaft.

Gwen räusperte sich. Wie sollte sie die Zeugin ansprechen? Frau Johnson? Nein, das würde sie an den Mann erinnern, der eigentlich neben ihr sitzen sollte, und außerdem klang es förmlich.

"Meghan?"

Die junge Frau saß bewegungslos da, wie eine Statue. "Meghan", wiederholte Gwen lauter.

Die Angesprochene zuckte zusammen, sah auf. Sie schwankte ein wenig, dann antwortete sie mit tonloser Stimme: "Ja." …