Menschen können sprechen. Diese simple Wahrheit hat unzählige Forschungsarbeiten angestoßen, die im Kern immer wieder um die gleichen Fragen kreisen: Was genau macht die menschliche Sprachfähigkeit einzigartig – was können wir, was Meisen, Hunde und Schim­pansen nicht können? Wie ist diese Fähigkeit entstanden und warum? Wie wird Sprache im Gehirn verarbeitet? Können wir nur über das nachdenken, wofür wir Wörter haben? Wie viel Gestik braucht die Sprache? Und stiftet es womöglich Chaos in Kinderköpfen, wenn die Kleinen mit mehr als einer Muttersprache aufwachsen?
Das vergangene Jahrzehnt hat dabei viele Grundsatzdebatten gesehen. So untergruben Studien von Evolutionsbiologen und Verhal­tensforschern die Annahme, das menschliche Sprachvermögen sei einzigartig im Tierreich: Schimpansen und Hunde können die Bedeutung von bis zu 200 Wörtern lernen (GuG  9/2005, S. 29). Ein Graupapagei kombinierte sogar ­Objekt- mit Farb-"Wörtern" und kam so zu ver­feiner­ten Kategorien. Zebrafinken schmettern komplizierte Lautfolgen, die sich in Silben unterteilen lassen, und scheinen ihre "Sprache" ganz ähnlich zu erwerben wie Menschen. Schaltet man in ihrem Erbgut das Gen FOXP2 aus, so tragen die Tiere einen wesentlich eintönigeren Gesang vor (GuG 12/2006, S. 52). Auch der Mensch besitzt diese Erbanlage, und wenn sie mutiert ist, kann das bei den Betroffenen zu schweren Artikula­tionsstörungen führen.
Angeborene Fähigkeiten scheinen also bei der menschlichen Sprachkompetenz eine Rolle zu spielen …