Wieviel anders sähe unsere Welt aus, wenn unsere Augen nicht für sichtbares Licht, sondern für hochenergetische Gammastrahlung empfindlich wären. Statt der romantisch funkelnden Sterne am nachtschwarzen Himmel würden wir ein Feuerwerk aus hellen Blitzen und ein geheimnisvolles Leuchten wahrnehmen, das uns zu Zeugen der wuchtigsten und energiereichsten Prozesse werden ließe, die das Universum zu bieten hat: Explosionen massereicher Sterne, der Einsturz von Materie in alles verschlingende Schwarze Löcher, Kollisionen von Neutronensternen sowie Stoßwellen, die entstehen, wenn fast lichtschnelle Materieströme auf interstellares Gas prallen. Gammastrahlen gehören wie Photonen des sichtbaren Lichts zum elektromagnetischen Spektrum. Ihre Energie ist jedoch millionen- bis milliardenfach größer, ihre Wellenlänge entsprechend kleiner. Da sie wie Teilchen mit Materie in Wechselwirkung treten, werden sie auch Gammaquanten genannt; ihre Energie wird, wie in der Teilchenphysik üblich, in Elektronvolt (eV) angegeben (siehe Glossar auf S. 44). Wegen des Teilchencharakters der Gammaquanten versagt das gewohnte Instrumentarium der Astronomie. Gammastrahlen können nämlich nicht wie sichtbares Licht mit Spiegeln und Linsen eingesammelt und auf kleine Detektoren fokussiert werden. Stattdessen sind Instrumente mit großen Zählerflächen erforderlich, um die geringen Flüsse der kosmischen Gammaquanten nachzuweisen. Erst durch die Fortschritte in der Detektorentwicklung für die Kern- und Hochenergiephysik gelang es, geeignete Instrumente für den Einsatz in der Astrophysik zu bauen.