Rund um den Globus sind Infektionskrankheiten wieder auf dem Vormarsch; und die medizinische Wissenschaft hat die Herausforderung angenommen. So gibt es seit drei Jahren die Fachzeitschrift "Emerging Infectious Disea­ses" mit einem einzigen Thema: neu und wieder auftretende Infektionskrankheiten; Onlinedienste veröffentlichen täglich epidemiologische Bulletins, und die Zahl der einschlägigen Veröffentlichungen ist in den vergangenen Jahren exponentiell angestiegen.

Im vorliegenden Buch informieren zwei bekannte Wissenschaftsjournalistinnen in flotter Sprache und gut strukturiert über wichtige "alte Bekannte" (Tuberkulose, Cholera, Malaria, Gelbfieber, Denguefieber und Hepatitis), Krankheiten, die immer für eine Schlagzeile gut sind (Ebola-, Marburg-, Lassa-Fieber, Aids), und echte "Newcomer" (Rinderwahn und Creutzfeldt-Jakob-Krankheit). Der Leser erfährt viel Historisches und wird durch zahlreiche Anekdoten bei Laune gehalten. Für ein tieferes Eingehen auf die wissenschaftlichen Aspekte fehlte aber wohl der Platz.

Die Zwischenüberschriften (die vermutlich vom Lektor und nicht von den Autorinnen stammen) sind überflüssig reißerisch: "Porträt eines Mörders", "Dämon aus dem Busch" über das Ebola-Virus, "Tal des Todes" über die Hanta-Viren. Der Titel "Die Macht der Seuchen" geht am Thema vorbei. Auch ist das Verhältnis zwischen Mensch und Mikrobe mehr als nur "eine verhängnisvolle Affäre".

Einen Verweis auf weiterführende Literatur sucht der Leser vergebens. Immerhin räumen die Autorinnen mit dem naiven Paradigma auf, dass Erreger wie konventionelle militärische Gegner bekämpfbar und besiegbar seien (letztes Kapitel) und weisen klar darauf hin, dass die Renaissance der Infektionskrankheiten in vielen Fällen "hausgemacht", will heißen eine Folge menschlichen Handelns ist (erstes Kapitel).

Insgesamt ist das Buch eher leichte Kost für den interessierten Laien als ein Werk, das sich ein Arzt oder Wissenschaftler in sein Regal stellen würde. Hinter dem Klassiker "Die kommenden Plagen" von Laurie Garrett, auf den die Autorinnen direkt und indirekt immer wieder Bezug nehmen, bleibt es um Längen zurück.

Aus: Spektrum der Wissenschaft 3 / 2003, Seite 103
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