Ich bin mit Robin Williams aufgewachsen. Noch heute erinnere ich mich gut an seine urkomischen Verrenkungen als Außerirdischer in der Serie "Mork vom Ork", die um 1980 im Fernsehen lief. Einige Jahre später, zu Beginn meines Studiums, hinterließen seine Rollen in "Good Morning, Vietnam" und "Der Club der toten Dichter" bleibende Eindrücke. Ich freute mich immer, wenn ich ihn in einem neuen Film entdeckte, zuletzt in "Nachts im Museum", den ich zusammen mit meinen Kindern angesehen habe.

Umso überraschender und schockierender erschien mir sein für Außenstehende völlig unerwarteter Suizid 2014. Zunächst war die Ursache dafür unklar; in den Medien wurde von chronischen Depressionen gemunkelt, aber auch vom Gespenst früherer Drogenabhängigkeit. Bei der Autopsie kam dann heraus, dass Williams an einer seltenen Demenzform litt, bei der sich Proteinabfälle als so genannte Lewy-Körper in den Nervenzellen ansammeln und diese allmählich absterben lassen. Sein sich fortlaufend verschlimmernder Gesundheitszustand äußerte sich unter anderem in Gedächtnisproblemen, Händezittern, Schlaflosigkeit und Angstattacken. Wegen der höchst unterschiedlichen Symptome wurde die korrekte Diagnose erst nach seinem Tod gestellt. Gleichzeitig dürften diese vielen Probleme aber auch letztlich zu Williams’ Entschluss geführt haben, seinem Leben ein Ende zu setzen. Ab S. 64 erläutert der Neurobiologe Mattia Maccarone die genauen Hintergründe im "Fall Robin Williams" und macht damit gleichzeitig auf eine zu Unrecht vernachlässigte und nur wenig verstandene Demenzform aufmerksam.

Wer "Gehirn&Geist" schon länger liest, mag sich vielleicht noch an meinen Namen erinnern: Von der allerersten Ausgabe an, die Anfang 2002 erschien, war ich bereits als Redakteur für dieses Magazin tätig und habe seine Entwicklung über viele Jahre hinweg begleitet. 2010 ging ich dann zwecks thematischer Horizonterweiterung zu "Spektrum der Wissenschaft", ab 2011 als Redaktionsleiter. Als jetzt meine Kollegin Christiane Gelitz in unsere Onlineredaktion "Spektrum.de" wechselte und mich Chefredakteur Carsten Könneker fragte, ob ich auch die Redaktionsleitung von "Gehirn&Geist" übernehmen würde, ergriff ich gern die Gelegenheit, wieder zu meinen Wurzeln zurückzukehren. Ich freue mich auf die neue Aufgabe und viele spannende Artikel!

Herzlichst Ihr

Hartwig Hanser