Einen ordentlichen Schrecken habe ihm der Anruf von Francis Collins im März 2013 eingejagt, erzählt William Newsome, Neurobiologe an der Stanford University. Aus heiterem Himmel offerierte ihm der Direktor der US-amerikanischen National Institutes of Health den Kovorsitz im Planungsstab einer Zehn-Jahres-Initiative zur Hirnforschung. Newsome sah sich schon den Sommer mit einer undankbaren, mühseligen und obendrein diffusen Aufgabe zubringen und wollte dankend ablehnen. Doch nach einem Tag Bedenkzeit wichen seine anfänglichen Zweifel echtem Enthusiasmus. "Das Timing stimmt ­einfach", sagt Newsome heute. "Das Gehirn ist die große intellektuelle Herausforderung des 21. Jahrhunderts."
Seiner Zusage förderlich war sicher auch, dass der Auftrag von Collins' oberstem Dienstherrn persönlich stammte: Barack Obama. Am 2. April 2013, zwei Wochen nach Collins' Telefonat mit Newsome, verkündete der US-Präsident, 100 Millionen US-Dollar zur Anschubfinanzierung der "BRAIN" getauften Initiative bereitstellen zu wollen. Am Ende dürfte das Programm gut und gern das Zehnfache dieses Betrags verschlingen.
Die Europäische Kommission trägt sich mit ähn­lichen Ambitionen …