Galaxien sind Sterneninseln, die dem weiten Meer des Weltalls sichtbare Struktur verleihen. Zwei Typen dominieren das Universum in Leuchtkraft und Masse: spiralförmige Galaxien wie unser Milchstraßensystem und große elliptische Galaxien mit mehreren Billionen Sternen. Die große Mehrzahl der eigenständigen Sternsysteme ist allerdings klein und eher unscheinbar. Diese »Zwerggalaxien« erreichen lediglich die Leuchtkraft einiger hundert Millionen Sonnen. Die leuchtschwächsten von ihnen enthalten kaum mehr Sterne als ein typischer Sternhaufen. Einige Dutzend Zwerggalaxien umkreisen allein unser Milchstraßensystem, und in Galaxienhaufen finden sich Hunderte bis Tausende von ihnen. Zwerggalaxien sind mittlerweile zu wichtigen Untersuchungsgegenständen der astrophysikalischen Forschung geworden. Das hat freilich nicht nur mit ihrer großen Häufigkeit zu tun. Da sie wegen ihrer geringen Masse und Dichte empfindlicher auf äußere Einflüsse reagieren als große Galaxien, eignen sich Zwerggalaxien in idealer Weise als Sonden zur Untersuchung ihrer Umgebung – beispielsweise eines Galaxienhaufens. Das machen sich die Astronomen zunutze, indem sie versuchen, anhand der beobachteten Eigenschaften von Zwerggalaxien den Einfluss solcher Umgebungen auf die Entstehung und Entwicklung von Galaxien allgemein zu verstehen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass in kosmologischen Modellen der Galaxienentstehung die physikalischen »Zutaten« bisher stets anhand von großen Galaxien kalibriert wurden. Mittlerweile erreichen derartige Modellrechnungen allerdings eine so hohe numerische Auflösung, dass auch Zwerggalaxien untersucht werden können.