Die Vielfalt all dessen, was mit "Open" beginnt, ist schon fast unüberschaubar. Allein in den Titeln der Beiträge des vorliegenden Sammelbands kommen vor: Open Access, Open Source, Open Metrics, Open Science, Open Knowledge, Open Data, Open Collectivity. Und im Text werden noch sehr viel mehr "Offenheitsinitiativen" behandelt.

"Open" wird zum Paradigma für den Umgang mit Wissen und Information in elektronischen Umgebungen. Gemeint ist freie Verfügbarkeit, und zwar nicht nur kosten-, sondern auch restriktionsfrei. Manche Protagonisten wollen ein einmal öffentlich zugänglich gemachtes Werk modifizieren und weiterentwickeln dürfen – ein Konzept, das für Programmkodes unter dem Namen "Open Source" große Erfolge verzeichnet, aber in der Wissenschaft immer noch umstritten ist. Gelegentlich erklärt ein Autor sogar sein Werk für gemeinfrei und verzichtet damit auf das Recht, als Autor genannt zu werden.

Das Open-Prinzip setzt einen unübersehbaren Kontrapunkt zum immer noch dominierenden Verständnis, nach dem Wissen und Information Güter mit Eigentumscharakter sind und dementsprechend knapp gehalten, kontrolliert und kommerziellen Verwertungsansprüchen unterworfen werden dürfen.

Die Autoren des Bands stehen insgesamt dem Open-Konzept positiv gegenüber. Bis auf zwei Beiträge, die einem potenziell frauenfeindlichen und imperialistischen Charakter der Bewegung nachspüren (in der Tat dominieren unter deren Protagonisten unstreitig die männlichen Vertreter der westlichen Wissenschaftskultur), stellen die meisten Artikel umfangreiches Orientierungswissen bereit, allen voran der Einleitungsbeitrag von Ulrich Herb. Dem Soziologen, Wissenschaftsdienstleister und Leiter diverser Projekte an der Saarbrücker Universitätsbibliothek ist es offensichtlich ein Anliegen, die durchaus divergierenden Ansprüche und Ziele der verschiedenen Open-Gruppierungen zusammenzubringen …