Das Erbgut kann einiges wegstecken. Es erfüllt seine Aufgabe zuverlässig über Jahrzehnte und Dutzende von Zellteilungen, wie das dauerhafte Funktionieren unserer unzähligen Körperzellen belegt. Selbst über hunderte und tausende Generationen bleiben die informationstragenden Basenfolgen intakt, obwohl sie jeden Tag unzählige chemische und physikalische Angriffe erleiden und selbst kleine Mutationen im schlimmsten Fall einen Totalschaden verursachen.

Was macht das Erbgut so robust? Einen Teil der Antwort fanden in den 1970er und 1980er Jahren Aziz Sancar, Tomas Lindahl und Paul Modrich, wofür sie nun den Chemienobelpreis erhielten. Die drei Forscher entschlüsselten damals mehrere Mechanismen, mit denen Zellen Fehler in ihrem Erbgut finden und beheben. "Die Fähigkeit, solche Schäden zu reparieren, sorgt dafür, dass unser Genom stabil bleibt", erklärt die Molekularbiologin Anna Müllner vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Das sei auch deshalb wichtig, weil DNA-Defekte uns schneller altern lassen und Krebs fördern. Tatsächlich sind in manchen Tumorzellen einige Reparaturmechanismen außer Kraft gesetzt.

Lange bevor der Träger der Erbinformation bekannt war, wusste man bereits: Röntgenstrahlen und vergleichbare Einflüsse können Zellen auf mysteriöse Weise töten oder dauerhaft verändern. Als Grund stellte sich in den 1940er Jahren heraus, dass sie Schäden an der inzwischen als Erbmolekül identifizierten DNA verursachen. …