Direkt zum Inhalt
Sprachanalyse

Du bist, was du sprichst

Die Statistik lügt nicht, meint der Psychologe James W. Pennebaker. Mit seinem Textanalyseprogramm will er die Persönlichkeit von Schreibern enttarnen - ein höchst umstrittener Ansatz.
Verräterische Unterhaltung
Die Arbeiten des Psychologen James W. Pennebaker spalten die Zunft der Sprachwissenschaftler – denn er schert sich keinen Deut um die klassischen Forschungsansätze der Linguisten. Seit knapp zwei Jahrzehnten sucht Pennebaker in Texten nach der Persönlichkeit ihrer Autoren, ohne auch nur einmal die Syntax zu analysieren oder Bedeutungsnuancen zu erfassen – er liest das Geschriebene nicht einmal. Der Psychologe verlegt sich stattdessen aufs Zählen von Wörtern.
Dass sich die Persönlichkeit eines Menschen auch in seiner Sprache niederschlägt, ist unumstritten. Schriftsteller suchen seit eh und je nach der passenden Ausdrucksweise für ihre fiktiven Charaktere. Sigmund Freud (1856-1939) sah in Versprechern das Unterbewusstsein zu Tage treten. Wer ein ausgeprägtes Sprachgefühl hat, meint zwischen so manchen Zeilen auch die Person des Verfassers zu erahnen. Aber mittels blinder Statistik die Oberfläche eines Texts vermessen, um daraus ein Charakterprofil des Autors zu gewinnen – geht das? …
Januar/Februar 2009

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Januar/Februar 2009

Kennen Sie schon …

Persönlichkeit - Was den Charakter formt

Spektrum Kompakt – Persönlichkeit - Was den Charakter formt

Aufgeschlossen, neugierig, mutig: Wie werden wir zu dem Menschen, der wir sind – und was passiert dabei im Gehirn?

1/2018

Gehirn&Geist – 1/2018

In dieser Ausgabe geht Gehirn und Geist den berühmtesten Experimenten der Psychologie auf die Spur, stellt das Phänomen der Afantasie vor und erklärt die Erinnerung. Außerdem: Kopftransplantation und Hirnscans

Sprache - Von fremden Worten und vertrauten Klängen

Spektrum Kompakt – Sprache - Von fremden Worten und vertrauten Klängen

Unsere Sprache verrät vieles: Kommunizieren wir in unserer Mutter- oder einer Fremdsprache, klingt ein Dialekt oder ein Akzent durch, reden wir mit einem Kind oder einem Erwachsenen? All das ist zu hören. Aber gibt es wirklich eine Universalgrammatik, und wie funktionieren eigentlich Pfeifsprachen?

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Vielen Dank!

  • Infos
Literaturtipps

Campbell, S., Pennebaker, J. W.: The Secret Life of Pronouns: Flexibility in Writing Style and Physical Health. In: Psychological Science 14, S. 60-65, 2003.

Pennebaker, J. W. et al.: Psychological Aspects of Language Use: Our Words, Our Selves. In: Annual Review of Psychology 54, S. 547-577, 2003.

Pennebaker, J. W., Chung, C.: Computerized Text Analysis of Al-Qaeda Transcripts. In: K. Krippendorff & M. Bock (Hg.): A Content Analysis Reader. Thousand Oaks, Sage 2007.

Pennebaker, J. W., Stirman, S.: Word Use in the Poetry of Suicidal and Nonsuicidal Poets. In: Psychosomatic Medicine 63, S. 517-522, 2001.

Wolf, M. et al.: Computergestützte quantitative Textanalyse. Äquivalenz und Robustheit der deutschen Version des Linguistic Inquiry and Word Count. In: Diagnostica 54, S. 85-98, 2008.