Am ersten Weihnachtsfeiertag 2013 wurde der zweijährige Emile Ouamouno krank. Der Junge, der in dem kleinen Dorf Méliandou in Guinea lebte, hatte in den Wochen zuvor mit seinem Freund am Rand der Siedlung gespielt. Dabei hielten sich die beiden gelegentlich in der Nähe eines ausgehöhlten Baums auf. Niemand konnte ahnen, dass hier eine beispiellose Welle tödlicher Infektionen ihren Anfang nahm. Den Baum bewohnten tausende Fledertiere, darunter die weit verbreiteten, etwa mausgroßen Angola-Bulldoggfledermäuse (Mops condylurus). Eine von ihnen muss den kleinen Emile mit dem Ebolavirus infiziert haben, so dass der Erreger von seinem tierischen Wirt auf den Menschen übersprang.

Sechs Tage später starb der Junge. Er war das erste Opfer einer verheerenden Ebolaepidemie, die in den folgenden Monaten in Westafrika grassierte und vielerorts blanke Panik verursachte. Von allen 22 Ausbrüchen der Seuche, die seit 1975 dokumentiert worden sind, war dies mit Abstand der schlimmste. Schon 1995 hatte das Virus eine Spur des Todes in Zaire hinterlassen, als es 315 Menschen infizierte, von denen 254 starben. Die Epidemie jedoch, die 2014 um sich griff, übertraf dieses Ausmaß bei Weitem. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatten sich bis zum 15. November 2015 insgesamt 28 634 Menschen mit dem Ebolavirus infiziert; 11 314 von ihnen starben daran.

Warum dieser Ebolaausbruch so viel schlimmer war als alle zuvor, ist nicht abschließend geklärt. Der Verlauf einer Epidemie hängt von zahlreichen Umständen ab: biologischen, ökonomischen, kulturellen, politischen sowie schlicht zufallsbedingten. Vorangegangene Ebolawellen hatten zwar ganze Gemeinden ausgelöscht, waren aber immer auf wenige Dörfer begrenzt geblieben. …