Amerikanische Wissenschaftler haben eine isoliert lebende Gemeinschaft von Yanomami untersucht, der größten indigenen Volksgruppe im Amazonasgebiet. Dabei stießen sie auf eine überraschend große Vielfalt körpereigener Bakterien. Laut Genanalysen weist die Darmflora der Yanomami doppelt so viele mikrobielle Erbanlagen auf wie die von US-Amerikanern, ist also wesentlich differenzierter. Das untermauert die These, wonach Antibiotika, ausgeprägte Hygiene und der Verzehr von Fertigprodukten bei Menschen in westlichen Ländern die Artenfülle von Darm- und Hautbakterien verringert.

Ein Mitglied des Teams hatte Proben aus dem Mund, von der Haut und aus dem Kot von 34 Bewohnern des kleinen Dorfs in Venezuela entnommen. Die Siedlung war 2008 vom Helikopter aus entdeckt worden und zuvor in der westlichen Welt unbekannt. Soweit man weiß, hatten die Yanomami bislang keinen Kontakt mit modernen Medikamenten wie Antibiotika.

Die Wissenschaftler um Jose C. Clemente von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai (New York) waren nicht nur von der großen Diversität des Yanomami-Mikrobioms überrascht. Sie stellten zudem erstaunt fest, dass die Darmflora der Indigenen einige Erbanlagen enthält, die Resistenzen gegen natürliche und synthetische Antibiotika vermitteln. Offenbar erwerben die Mikroben entsprechende Abwehrmechanismen auch ohne anthropogenen Gebrauch antibiotischer Arzneistoffe.