Bei Tieren scheint es uns selbstverständlich, dass biologische Anpassungen rund um die Ernährung ihre Überlebenschancen und ihren Evolutionserfolg mitbestimmen. Den Menschen sehen wir anders. Seine unterschiedlichen Esstraditionen halten wir für weit gehend kulturell geprägt – ohne große Bedeutung für seinen evolutionären Fortbestand und direkten Bezug zu biologischen, sprich genetischen Vorgaben. Das mag im Kleinen zutreffen: Manche regionalen und ethnischen Unterschiede in den Nahrungspräferenzen beruhen tatsächlich einfach auf Gewohnheit.

Doch im Ganzen stimmt das nicht. Denn auch die menschliche Ernährungsweise hat ihre biologische Evolutionsgeschichte, teils sogar in den einzelnen Kulturen eine eigene. Genmuster, die das Essen und seine Verträglichkeit betreffen, haben sich nicht selten im Lauf von Generationen spezifisch verändert und an neue Lebens- und Umweltsituationen angepasst – bis in jüngste Zeit. Auf dem langen Weg von archaischen Jägern und Sammlern bis zu unserer postindustriellen Gesellschaft mit ihrem Fastfood hat sich auch in genetischer Hinsicht viel getan.

Solch eine Koevolution zwischen Ernährungsweise und Genen gab es schon bei der Menschwerdung. Dass sich unsere Vorfahren in Süd- und Ostafrika allmählich aus Früchte- zu Fleischfressern entwickelten, führten die Anthropologen noch vor wenigen Jahrzehnten allein auf biologische Anpassungen an eine sich klimatisch verändernde Umwelt zurück. Seit den 1970er Jahren geriet diese Vorstellung jedoch zunehmend ins Wanken…