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Stroop-Effekt

Farbige Wortfalle

Viele unserer Handlungen laufen unbewusst und automatisch ab. Auch beim Lesen verlassen wir uns "blind" auf einen solchen Automatismus - doch wenn Inhalt und Gestaltung eines gedruckten Worts auseinanderklaffen, verlieren wir schnell den Durchblick.
Farbe bekennen
Lesen prägt unsere Kultur – egal ob Sie sich einem Groschenroman hingeben, einem dicken Klassiker oder dieser Zeitschrift, die Sie gerade in Ihren Händen halten. Welche Macht das geschriebene Wort über unser Gehirn hat, demonstrierte bereits 1935 der amerikanische Psychologe John Ridley Stroop (1897-1973). Er griff dabei auf ein Phänomen zurück, das knapp ein halbes Jahrhundert zuvor James McKeen Cattell (1860-1944) entdeckt hatte. Dem Mitarbeiter am weltweit ersten psychologischen Labor in Leipzig war aufgefallen, dass uns das Lesen eines Worts wie "BLAU" deutlich schneller gelingt, als seine Bedeutung – also die Farbe Blau – zu benennen.
Stroop hatte nun die Idee, Wort und Be­deu­tung zu trennen, indem er Farbwörter in verschiedenen Buchstabenfarben druckte: Das Wort "BLAU" konnte beispielsweise in blauer sowie in roter Schrift erscheinen …
Juni 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist Juni 2010

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  • Quellen
Algom, D. et al.: A Rational Look at the Emotional Stroop Phenomenon: A Generic Slowdown, Not a Stroop Effect. In: Journal of Experimental Psychology: General 133(3), S. 323-338, 2004.

Cattell, J. M.: The Time it Takes to See and Name Objects. In: Mind XI(41), S. 63-65, 1886.

Francolini, C. M., Egeth, H. E.: On the Nonautomaticity of "Automatic" Activation: Evidence of Selective Seeing. In: Perception and Psychophysics 27(4), S. 331-342, 1980.

Lu, C.-H., Proctor, R. W.: The Influence of Irrelevant Location Information on Performance: A Review of the Simon Effect and Congruency Effects. In: Psychonomic Bulletin & Review 2(2), S. 174-207, 1995.

MacLeod, C.M.: The Stroop Task in Cognitive Research. In: Wenzel, A., Rubin D. C. (Hg.): Cognitive Methods and their Application to Clinical Research. Washington D.C., American Psychological Association, S. 17-40, 2005.

McKenna, F. P., Sharma, D.: Intrusive Cognitions: An Investigation of the Emotional Stroop Task. In: Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition 21(6), S. 1595-1607, 1995.

Stroop, J. R.: Studies of Interference in Serial Verbal Reactions. In: Journal of Experimental Psychology 18(6), S. 643-662, 1935.

Wolach, A. H. et al.: Numerical Stroop Effect. In: Perceptual & Motor Skills 98(1), S. 67-77, 2004.