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Meeresforschung

Fernheizung Europas bleibt aktiv

Entwarnung: Der Golfstrom erlahmt vorerst nicht. Das wohltemperierte Wasser, das er aus der Karibik heranführt, hält Nordwesteuropa also weiterhin warm. Für längerfristige Vorhersagen müssen Forscher aber die Wechselwirkung zwischen Meeresströmungen und Klima besser verstehen.
Der Golfstrom wird vorerst nicht schwächer. Damit bleibt das Klima in Nordwesteuropa wie es ist. Für langfristige Aussagen der Klimamodelle sind jedoch neue Daten vonnöten.

Ende 2005 machte eine Schreckensmeldung die Runde durch sämtliche Medien. Der Golfstrom, ein für das Klima in Europa äußerst wichtiger Teil der atlantischen Umwälzzirkulation, sei im Vergleich zu 1957 wesentlich schwächer geworden. Das glaubten Forscher aus Großbritannien anhand von Strömungsmessungen am 25. Breitengrad ermittelt zu haben (siehe Spektrum der Wissenschaft 4/2006, S. 94). Offenbar bogen die Wassermassen aus der Karibik zum großen Teil vor der Straße von Gibraltar nach rechts ab und flossen an der westafrikanischen Küste entlang nach Süden. Dabei vereinigten sie sich mit dem Subtropenwirbel, anstatt Wärme nach Norden zu transportieren, am Polarkreis abzutauchen und als Tiefenströmung nach Süden zurückzukehren.

Aufgeschreckt durch diesen Befund, machten sich gleich zwei große Forschungskooperationen daran, der Sache auf den Grund zu gehen: das EU-finanzierte THOR-Projekt (Thermo Haline Overturning circulation – at Risk?) sowie das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) getragene Nordatlantik-Projekt. Beide endeten vor drei Monaten mit dem beruhigenden Resümee, dass die befürchtete Eiszeit in Europa vorerst noch nicht auf dem Terminplan steht.

Bei ihren Untersuchungen setzten die Wissenschaftler ein wesentlich breiteres Sortiment an Messgeräten ein als seinerzeit ihre Kollegen aus Großbritannien. Dazu gehörten zum Beispiel fest verankerte Bojen, die an strategisch gewählten Punkten mit Hilfe des Dopplereffekts Strömungsgeschwindigkeiten maßen …

Januar 2013

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Januar 2013

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