Seit Monaten habe ich das Gefühl, nicht aufzuwachen. Seit ich den Brief gelesen habe. Hand­ geschrieben. Keine Mail.

Meine Glaszsphäre bemüht sich, mir einen aufmunternden blauen Himmel vorzulügen. Die Wolken sind hinreißend, aber nur scheinbar zufällig strukturiert. Tatsächlich formen sie das Logo eines Pharmakonzerns, und jemand flüstert: "This sunny sky is brought to you by …"

Wie jeden Morgen bin ich aus meinem Haus geflohen. Das Wohnzim­mer: leer. Die Küche: leer. Das Schlaf­zimmer: leer. Selbst das Bad.

Ich habe die Möbel nach draußen geschoben, um mich von der Kontamination mit Erinnerungen zu befreien. Lediglich das Zimmer meiner Tochter ließ ich unangetastet. Poster an den Wänden und Bilder, die sie selbst gemalt hat, Stofftiere, ihr Bett, am Kopfende die Haarbürste mit ein paar feinen Haaren. Und der Brief in der präzisen und doch kunstvollen Schrift meiner Frau. Ein Brief, in dem es um Singapur geht, um Abschied und darum, dass meine Tochter vor allem ihr Kind sei und warum es keinen Sinn hätte, ihnen zu folgen. …