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Manipulation

Geheime Verführung

Kann uns unterschwellige Werbung in Kino oder TV dazu verleiten, mehr Cola zu trinken oder mehr Popcorn zu essen? Der Psychologe Wolfgang Stroebe von der Universität Utrecht in den Niederlanden erläutert, warum versteckte Botschaften tatsächlich auf uns wirken - allerdings nur unter bestimmten ­Umständen.
Dose des Anstoßes
Am 17. September 1957 machte der US-Marktforscher James Vicary Schlagzeilen: Er verkündete auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz, mittels unterschwelliger Werbung das Konsumverhalten von Kinobesuchern ohne deren Wissen manipulieren zu können. Über einen Zeitraum von sechs Wochen habe er mehrfach die Werbeslogans "Iss Popcorn" und "Trink Coca-Cola" für drei Millisekunden in einen Film einblenden lassen – so kurz, dass die Zuschauer es nicht bewusst bemerkten. In den Pausen sei­en daraufhin 18 Prozent mehr von dem Brausegetränk verkauft worden, der Popcornumsatz stieg sogar um 58 Prozent!
Presse und Öffentlichkeit reagierten empört: Hatten Werbetreibende etwa die Macht, uns alle in willenlose Marionetten zu verwandeln? Zur selben Zeit legte Sachbuchautor Vance Packard einen Bestseller über die geheimen Verführungskünste der Reklamebranche vor, in dem er dieselben Ängste befeuerte. Indes scheiterten mehrere Forscher bei dem Versuch, Vicarys Ergebnisse zu replizieren. 1962 gab er schließlich in einem Interview zu, dass das Ganze ein Schwindel gewesen sei: Er hatte das Experiment frei erfunden. Das Dementi erregte allerdings weit weniger Aufsehen als einst seine Pressekonferenz. Viele Menschen in den USA und Eu­ropa ließen sich nicht mehr von der Vorstellung abbringen, dass unterschwellige Werbung sie ohne ihr Wissen manipulieren könnte …
September 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist September 2011

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