Frau Professor Flöel, Sie erforschen, wie das Gehirn im Alter fit bleibt. Welche Rolle spielt dabei die Ernährung?

Es gibt einige Nährstoffe, die für den Erhalt der kognitiven Fähigkeiten wichtig sind. Laut den Studien meiner Arbeitsgruppe können etwa Omega-3-Fettsäuren die Hirnleistung gesunder älterer Menschen steigern. Probanden, die diese sechs Monate lang in Form von Kapseln einnahmen, waren zum Beispiel in Gedächtnisaufgaben besser als eine Kontrollgruppe. Hirnscans zeigten zudem, dass bei ihnen die Struktur der weißen Hirnsubstanz intakter war. Das sind die langen Nervenfasern, die verschiedene Hirnteile miteinander verbinden.

Schützt Fischöl also vor Demenz?

Es gibt Hinweise darauf, doch so eindeutig ist der ­Zu­­sam­menhang nicht. Insbesondere wenn schon kog­ni­ti­ve Einschränkungen vorliegen, reicht eine Ernährungs­umstellung nicht aus. In einer unserer Studien haben wir Patienten untersucht, die bereits über Gedächtnisschwierigkeiten klagten – was oft einer Demenz vorausgeht. Hier zeigte sich: Nur jene Teilnehmer, die neben der Einnahme von Omega-3-Fettsäuren auch an einem Programm zur sportlichen Aktivität teil­nahmen und sich im Alltag vermehrt geistig heraus­fordernden Tätigkeiten widmeten, erlebten einen positiven Effekt. Sie hatten zum Abschluss der Studie einen größeren Hippo­campus, ihre Hirnregionen waren besser untereinander vernetzt. Die Omega-3-Fettsäuren allein hatten diese Wirkung nicht …