In den letzten 50 Jahren hat sich die Situation von Frauen und Mädchen in den Entwicklungsländern enorm verbessert. Das belegen zahlreiche Indikatoren, zum Beispiel die Lebenserwartung: Während eine 1960 geborene Frau im Mittel nach 54 Jahren starb, werden die meisten 2008 geborenen Mädchen wohl ihren 72. Geburtstag erleben. In derselben Zeit sank die Fertilität – die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau – so rasch wie noch nie. Dieser Wandel hängt mit verschiedenen Errungenschaften der Frauen in armen Ländern zusammen: Viel schneller als in den heute reichen Nationen gab es Fortschritte auf den Gebieten Bildung, Beschäftigung und sexuelle Selbstbestimmung. In den USA dauerte es lange 123 Jahre, bis eine Frau nur noch drei statt sechs Kinder gebar, in Indien 44 – und im Iran bloß 10 Jahre.

Zwei Drittel aller Länder bieten beiden Geschlechtern einen Zugang zur Grundschule, und in mehr als einem Drittel sitzen mehr Mädchen als Jungen in den Klassen. Ganz anders als früher stellen Frauen nun die Mehrheit der Universitätsabsolventen. In den vergangenen drei Jahrzehnten drängten mehr als eine halbe Milliarde von ihnen auf den Arbeitsmarkt; das bedeutet, dass heute weltweit vier von zehn Arbeitskräften weiblich sind.

Trotz aller Fortschritte klafft eine hartnäckige Lücke zwischen den Geschlechtern. Zwar leben Frauen insgesamt länger als Männer, doch in Afrika südlich der Sahara und in einigen anderen Weltregionen ist die Müttersterblichkeit so hoch wie im Europa des 19. Jahrhunderts vor der Einführung der Geburtshygiene. Noch immer besetzen Frauen weniger Machtpositionen in Politik und Wirtschaft. Und während immer mehr Frauen für Lohn arbeiten, wer­den sie weiterhin schlechter eingestuft als ihre männlichen Kollegen …