Was für Kontraste: Ein Freund von mir lebt in Neu-Delhi, einer der reichsten Städte Indiens. An sich erhält die Region um die indische Hauptstadt eine ganze Menge Regen. Trotzdem reißt die Anwohner des Mittelklasse-Wohngebiets am frühen Morgen regelmäßig eine Lautsprecherdurchsage aus dem Schlaf: Wasser gäbe es heute nur für die nächste Stunde. Sofort stürzt mein Bekannter ins Bad, um Wanne und andere Behälter für diesen Tag zu füllen. Diese häufigen Versorgungsengpässe verdankt die Stadt vor allem der Verfügung, eine größere Menge des Wassers von Flüssen und Stauseen im Einzugsbereich zur landwirtschaftlichen Bewässerung abzuzweigen.

Im heißen Phoenix in Arizona dagegen wacht mein Sohn vom Sprühen der automatischen Rasensprenganlagen in den Gärten ringsum auf. Die fünftgrößte Stadt der USA mit vier Millionen Einwohnern liegt zwar in der Sonora, einer der größten Wüsten der Welt, aber niemand bekommt dort Wassermangel hautnah zu spüren. Im Gegenteil, selbst Parks und Golfplätze werden stets grün gehalten. In dieser Region bewilligten Politiker, dass für Grünanlagen der Städte und Vorstädte Wasser aus der Landwirtschaft entnommen wird. Allerdings wird auch aufbereitetes Brauchwasser für solche Zwecke verwendet, ebenso wie in anderen Bereichen, wo es auf Trinkwasserqualität nicht ankommt.

Auf den Umgang mit dem verfügbaren Süßwasser nehmen Politiker überall in der Welt großen Einfluss. Dass sie diese Befugnis oder Macht klug gebrauchen, wird zukünftig immer wichtiger sein. Jetzt schon steigt der Bedarf vielerorts rascher, als die gut zugänglichen Ressourcen nachliefern. Obwohl die heikle Lage allzu bekannt ist, zeichnet sich vorerst keine…