An einem Strand bei Kaktovik hoch im Norden Alaskas finden sich Eisbären zu einer Gemeinschaft zusammen, obwohl sie eigentlich Einzelgänger sind. Der Grund hierfür sind von den Iñupiat, den Ureinwohnern dieses Teils der Arktis, erlegte Wale. Das Erstaunliche daran ist weniger, dass Eisbären immer häufiger auf solche Gelegenheitsfutterquellen zurückgreifen, sondern dass dabei plötzlich ein Nahrungskonkurrent auftaucht, der sich nächtens an diesem Festmahl beteiligen will. Und zwar das nordamerikanische Pendant unseres Braunbären: der Grizzly. Läuft der König der Arktis also Gefahr, angesichts des Klimawandels von seinem braunfelligen Verwandten, der immer häufiger gen Norden wandert, verdrängt zu werden, während der Lebensraum der Eisbären kontinuierlich schrumpft?

Dass Ursus maritimus so scheinbar ungezwungen die höchsten Breitengrade beherrscht, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass er sehr anfällig für die Folgen der Zerstörung seines Lebensraums ist. Um herauszufinden, inwieweit sich Eisbären an den Klimawandel anpassen können, müssen die Wissenschaftler ihnen über die Jahreszeiten hinweg an den saisonal wechselnden Aufenthaltsorten folgen und ihre Gewohnheiten dokumentieren. …