Und – tun Sie's noch? Mit der Hand schreiben, meine ich? Der Tagesablauf vieler Menschen ist stark von der Arbeit am Computer und vom Schreiben mit einer Tastatur geprägt. Und doch machen Schüler ihre ersten Schreiberfahrungen bis heute mit Bleistift oder Füller. Ist das überhaupt noch zeitgemäß? Unsere Gedanken können wir heute ja genauso gut auf andere Weise niederschreiben – mit einer Tastatur oder gar per Spracherkennung des Computers. Selbst unsere Unterschrift, einst der Identitätsnachweis schlechthin, hat längst digitale Konkurrenz durch PIN-Kodes und Fingerabdrücke bekommen.
Sowohl US-amerikanische als auch deutsche Schulen haben diese Entwicklungen erkannt. In einigen Grundschulen in Hamburg und im Rhein­land steht die Schreibschrift mittlerweile nicht mehr auf dem Lehrplan. Die Schüler pauken das Abc hier von vornherein so, wie sie es auch in Zeitungen oder auf dem Bildschirm sehen: in schnörkellosen und unverbundenen Druckbuchstaben.
Laut den Befürwortern des Projekts erleichtert es den Schülern das Schreibenlernen; gleichzeitig erhöhe es auch die Leserlichkeit ihres Schriftbilds. Wissenschaftlich abgesichert sind diese Behauptungen allerdings nicht. Ein praktischer Nachteil liegt dagegen auf der Hand: Die geschwungen verbundenen Buchstaben der älteren Generation sind für diese Schüler nur noch schwer zu entziffern. Die Tafelbilder von manchem Gymnasiallehrer dürften für sie verschnörkelten Hieroglyphen gleichen …