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Paläanthropologie: Hominiden auf den Zahn gefühlt



Die lange Kinder- und Jugendzeit unterscheidet den modernen Menschen von anderen Primaten – neben dem relativ großen Gehirn und dem aufrechten Gang. Doch wann in der menschlichen Evolution bildete sich diese lange Entwicklungsperiode heraus? Ein internationales Forscherteam um den Biologen Christopher Dean vom University College London hat in den Zähnen fossiler Hominiden, moderner Menschen und Menschenaffen nach der Antwort gesucht. Mühsam zählten die Wissenschaftler unter dem Mikroskop die täglichen Wachstumsstreifen des Zahn-schmelzes und ermittelten so ihre durchschnittliche Dicke. Die lange Kindheit des modernen Menschen bedingt ein sehr langsames Zahnwachstum. Ein entsprechendes Muster fand sich erst beim "klassischen" Neandertaler, der bereits ein fast ebenso großes Gehirn hatte wie wir. Das verzögerte Heranwachsen ist demnach ein ziemlich neues menschliches Charakteristikum, das sich erst vor ungefähr 120000 Jahren herausgebildet hat. Bislang gingen Anthropologen davon aus, dass schon der bis vor etwa 500000 Jahren lebende Homo erectus eine derart ausgedehnte Entwicklungsphase besaß, da er dem Homo sapiens etwa in Bezug auf Körpergewicht und -proportionen stark ähnelte. (Nature, Bd. 414, S. 628)

Aus: Spektrum der Wissenschaft 2 / 2002, Seite 24
© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH

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