Frau Dr. Grams, haben Sie Verständnis für Menschen, die sagen: "Homöopathie hilft mir!"?

Dass Homöopathie nicht als Arzneitherapie wirkt, heißt keinesfalls, dass sich Nutzer solche positiven Erfahrungen nur einbilden. Ganz im Gegenteil. Es heißt, wir können diese Erfahrungen erklären! Aber die Erklärung liegt eben nicht in einem spezifischen Wirkstoff oder einer Energie der Globuli. Homöopathiekritiker möchten niemandem die eigene Erfahrung wegnehmen, sondern sie realistisch einordnen. Das tut manchmal weh, weil man sich in seiner Integrität und seiner Persönlichkeit in Frage gestellt fühlt. Das kann ich sehr gut nachempfinden, schließlich habe ich selbst jahrelang auf subjektive Heilerfolge gebaut.

Wie entstand bei Ihnen die Faszination für Homöopathie? Und wie haben Sie das mit Ihrem Medizinstudium vereinbaren können?

Wie viele andere Menschen hatte auch ich mit der Homöopathie eine ganz eindrückliche, positive Erfahrung gemacht. Ich meinte, dass sie mir ganz besonders und sogar besser als die "Schulmedizin" geholfen hat – das habe ich dann nicht mehr hinterfragt. Der Zweifel kam, als ich lernte, dass Erfahrung bei der Wirksamkeitsbewertung einer Therapie nicht entscheidend ist, sondern das Ergebnis klinischer Studien. Der Unterschied ist mir im Medizinstudium leider nicht vermittelt worden, sonst hätte ich die Kurve bestimmt schon früher gekriegt. Das ist ein sehr wichtiger Punkt: Viele Ärzte sind wissenschaftlich und methodisch nicht gut ausgebildet. Genau das müssten sie aber sein, um Studien und Statistiken kritisch hinterfragen zu können. Deswegen können Ärzte die Denkweise der Homöopathie vielleicht besser mit sich vereinbaren als Wissenschaftler. Natürlich gibt es aber auch viele Mediziner, die der Homöopathie skeptisch gegenüberstehen …