Direkt zum Inhalt

PLANETOLOGIE: Junger Mars war wohl ein Schneeplanet

Unser roter Nachbarplanet war in seiner Frühzeit wahrscheinlich großteils von Schnee bedeckt. Darauf deutet ein Vergleich zweier aktueller Klimamodelle hin. Ein Team um den Planetologen Robin Wordsworth von der Harvard University hat die frühe Entwicklung des Planeten in Simulationen nachgestellt und dabei einerseits warme und feuchte Bedingungen zu Grunde gelegt, andererseits ein Szenario der Schnee- und Eisbedeckung. Das letzte liefert nach Ansicht der Forscher nicht nur die plausibleren Ergebnisse, sondern erklärt auch jene Geländeformationen besser, die Milliarden Jahre alt und offensichtlich durch Wasser entstanden sind.

In der Zeit zwischen drei und vier Milliarden Jahren vor heute, am Übergang zwischen Noachischer und Hesperischer Periode, bildeten sich die meisten großen Stromtäler und andere Spuren fließenden Wassers, die den Planeten prägen. Welches Klima zu dieser Zeit auf dem Mars herrschte, ist unbekannt. Viele Wissenschaftler hatten spekuliert, der Planet könne warm und feucht gewesen sein – und womöglich belebt. Es liegt jedoch näher, ein kaltes Klima anzunehmen, denn die Sonnenstrahlung transportierte damals etwa ein Viertel weniger Energie zum Mars als heute. Vermutlich, so ergaben die Simulationen der Forscher, lag die durchschnittliche Oberflächentemperatur des Planeten bei minus 50 Grad Celsius. Unter solchen Bedingungen wäre den Modellen zufolge viel Schnee in die äquatorialen Hochlandregionen gelangt, wo die Dichte der Stromtäler am höchsten ist. Wahrscheinlich schmolz er vorübergehend bei Vulkanausbrüchen oder Meteoriteneinschlägen, was zu gewaltigen Fluten führte und die Kanäle auswusch. Offen bleibt, ob unter diesen Bedingungen Leben entstanden sein könnte.

Kennen Sie schon …

Sterne und Weltraum – Gestrandet – Proben von Perseverance bleiben auf dem Mars

Der Rover Perseverance hat seit 2021 viele Daten und Gesteinsproben vom Mars gesammelt – doch die geplante Rückholmission der Proben ist aus Kostengründen abgesagt. »Little red dots« in Tiefenfeldaufnahmen des James Webb Teleskops geben Rätsel auf – was leuchtet da am Himmel? Könnten sie Einblicke in die frühen Entwicklungsphasen unseres Universums ermöglichen? Darüber hinaus: Zwei Astrofotografen testen ein Smart-Teleskop, das überraschend tiefe Einblicke ins Universum ermöglicht.

Spektrum - Die Woche – Geopolitische Orientierungssuche am Amazonas

Klimakonferenz: COP30 in Belém zeigt die geopolitische Neuordnung – die USA fehlen, China muss Position beziehen. Wer zahlt für den Regenwald? Und warum sorgt ein Fonds für Streit? Außerdem in »Die Woche«: Die Eisbachwelle macht schlapp, CO₂ soll in den Meeresboden und die Geschichte der Toilette.

Spektrum - Die Woche – Von der Entropie zur Quantengravitation

Die Verbindung von Schwerkraft und Quanten ist ein zentrales Rätsel der Physik. Die Informationstheorie liefert Antworten – und vielleicht den Schlüssel zur Quantengravitation. Außerdem: Eine Revolution des Bauens? Carbonbeton benötigt im Vergleich zu Stahlbeton nur einen Bruchteil des Materials.

  • Quelle

Wordsworth, R. D. et al.:Comparison of "Warm and Wet" and "Cold and Icy" Scenarios for Early Mars in a 3-D Climate Model. In: Journal of Geophysical Research 120, S. 1201 - 1219, 2015

Schreiben Sie uns!

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.