In unserem Gehirn bilden knapp 100 Milliarden Neurone ein unübersichtliches Knäuel aus Axonen, Dendriten und Zellkörpern. Dem deutschen Anatom Korbinian Brodmann (1868–1918) gelang es mittels spezieller Färbetechniken, die Hirnrinde des Menschen grob zu kartieren. Er teilte sie in Felder ein, die sich in ihrer Zellarchitektur und Funktion unterscheiden. Doch wie sich später herausstellte, wird seine Karte der Komplexität des Gehirns nicht gerecht. Wer heute dessen Arbeitsweise ergründen möchte, muss daher einen Blick auf die Verknüpfungen zwischen einzelnen Nervenzellen und ganzen Netzwerken von Neuronen werfen.

Neue Bildgebungsverfahren erlauben es, die zu Grunde liegenden Strukturen immer exakter zu bestimmen. Das erste Projekt dieser Art war vergleichsweise übersichtlich: eine Karte des Nervensystems des winzigen Fadenwurms Caenorhabditis elegans mit gerade einmal 300 Neuronen. 14 Jahre dauerte es, bis sie 1986 publiziert werden konnte. Mit besseren Präparier- und Mikroskopietechniken sowie leistungsfähigeren Computern lassen sich inzwischen auch größere Gehirne kartieren. In den vergangenen zehn Jahren entstand dazu eigens eine neue Disziplin der Neurowissenschaften – die Konnektomforschung.

Dabei ist das Gebiet noch so neu, dass sich Neurowissenschaftler gar nicht einig sind, was sie eigentlich mit den vielen Daten anfangen wollen. Denn zu wissen, mit welchen Nachbarn ein Neuron wie verbunden ist, bedeutet noch lange nicht, seine genaue Aufgabe zu kennen. Und selbst dann wüssten wir nicht, welche Stimme es im riesigen Orchester des Nervensys­tems spielt. Ist die Konnektomforschung also nur eine wilde Datenschlacht ohne klares Ziel?