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Klimawandel

Korallen trotzen Ozeanerwärmung

Steigende Wasser­temperaturen bedrohen die Riffe der Tropen und Sub­tropen. Die Korallen im nördlichen Roten Meer jedoch beeindruckt der Klimawandel bislang kaum – obwohl sich das Wasser hier besonders schnell aufheizt.
Ägyptische Rotmeerküste 2017: Im Jahr nach dem starken El Niño zeigt das Riff keine Anzeichen einer Korallenbleiche.

Von 2014 bis 2016 ereignete sich die bisher längste dokumentierte Massenkorallenbleiche. Das wiederkehrende Klimaphänomen El Niño sorgte für eine ungewöhnlich starke Erwärmung des Ozeans, mehr als 40 Prozent aller Riffe weltweit litten unter Hitzestress. Hart­korallen, deren Kalkskelette die Basis eines jeden Riffs bilden, starben großflächig, weil die Polypen auf Grund der hohen Temperaturen für sie lebenswichtige Untermieter – so genannte Zooxanthellen – hinauswarfen. Die symbionti­schen Mikroalgen versorgen ihren Wirt mit Zucker sowie anderen organischen Molekülen und verleihen den Korallen ihre Farbe. Ein leichter Farbverlust während der heißesten Monate im Jahr ist nicht ungewöhnlich, und oft erholen sich die Korallen, sobald das Meerwasser wieder abkühlt. Übersteigen die Temperaturen den Toleranzbereich der Korallen allerdings dauerhaft, ist die Bleiche irreversibel und kann zum Kollaps ganzer Riff-Ökosysteme führen.

Der jüngste El Niño wirkte auch deswegen so verheerend, weil die Wassertemperatur vielerorts bereits ohne diese Klimaanomalie einen für Hartkorallen kritischen Schwellenwert erreicht. Schuld ist der Treibhauseffekt des weiterhin steigenden CO2-Gehalts der Atmosphäre. Eine aktuelle Auswertung von Satellitendaten zeigt, dass sich der Ozean an der Oberfläche seit Mitte der 1980er Jahre pro Dekade um zirka 0,1 Grad Celsius erwärmt hat – Regionen wie die Karibik, der Indopazifik oder das Great-Barrier-Riff gar doppelt so stark. Forscher schätzen, dass in den letzten 30 Jahren gut 80 Prozent der globalen Riffe mehrfach Temperaturen ausgesetzt waren, die ­wenigstens ein Grad Celsius über dem gemittelten langjähri­gen Maximum lagen. Hält dieser Wärmestress über Wochen an, werden aus farbenfrohen Unterwassergärten oft monotone Friedhofslandschaften. Bis 2050, so die Prog­nose, werden nahezu sämtliche Warmwasser­korallen jährliche Hitzewellen erleben. Darüber hinaus erschwert ihnen die Ozeanversauerung die Kalkbildung (Kalzifizierung) zunehmend. Im Lauf des 21. Jahrhunderts könnten die "Regenwälder der Meere" so größtenteils verschwinden …

Februar 2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Februar 2018

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  • Quellen

Courtney, T. A et al.: Environmental Controls on Modern Sclerac­tinian Coral and Reef-Scale Calcification. In: Science Advances 3, e1701356, 2017

Krueger, T. et al.: Common Reef-Building Coral in the Northern Red Sea Resistant to Elevated Temperature and Acidification. In: Royal Society Open Science 4, 170038, 2017

Osman, E. O. et al.: Thermal Refugia against Coral Bleaching throughout the Northern Red Sea. In: Global Change Biology 10.1111/gcb.13895, 2017