Im Dezember 2013 drohte ein Student mit einem Bombenanschlag auf die US-Elite­universität Harvard. Vier Gebäude wurden daraufhin evakuiert, die laufenden Abschlussprüfungen unterbrochen. Der 20-Jährige wollte auf diese Weise seinem eigenen Examen entgehen.

Zu solchen Verzweiflungstaten kommt es glücklicherweise selten. Bei den meisten Menschen schlägt sich eine nahende Prüfung nur in Schweißausbrüchen, weichen Knien und einem mulmigen Gefühl im Bauch nieder. Viele bleiben auch während einer Prüfung nervös und angespannt, danach fühlen sie sich körperlich und geistig erschöpft – das ist ganz normal.

Bei manchen Menschen werden die Ängste ­allerdings so stark, dass sie schon lange vor der Prüfung ihr Leben beherrschen. Sie können sich körperlich äußern, zum Beispiel in Magenproblemen und Muskelverspannungen, aber auch psychisch in Selbstzweifeln und Katastrophendenken. Die Betroffenen haben häufig Probleme, das Lernen zu organisieren und sich auf den Stoff zu konzentrieren; viele wirken gereizt oder niedergeschlagen. Direkt vor oder in der Prüfung kann aus der Nervosität panische Angst werden, der Körper scheint verrückt zu spielen, und im Kopf machen sich Gefühle der Leere oder der ­eigenen Unzulänglichkeit breit. Einige Betroffene sagen die Prüfung deshalb ab (oder melden sich gar nicht erst an), manche brechen sogar Schule, Studium oder Ausbildung ab.

Legt man strenge Kriterien an, leiden zirka drei bis fünf Prozent der Studierenden unter star­ken Prüfungsängsten. Weil es aber keine einheitliche Definition gibt, reichen die Schätzungen zum Anteil der ­Betroffenen bis zu 40 Prozent …