Konzentriert nimmt der Athlet Maß, geht in Gedanken den Bewegungsablauf durch – dann sorgt eine Kaskade von Steuerimpulsen dafür, dass jede einzelne Muskelfaser zur rechten Zeit kontrahiert. Wenn ein Hochspringer über die Latte fliegt, ein Biathlet ins Schwarze trifft oder ein Rennfahrer seine Konkurrenz weit hinter sich lässt, vollbringt der menschliche Körper Höchstleistungen. Auch der professionelle Gesang gehört in diese Kategorie. Denn ob Oper, Musical oder Rock – Musikalität ist nur die eine Seite der Medaille.

So bildet für eine Sopranistin der in der abendländischen Notation f3 bezeichnete Ton von 1397 Hertz eine schwer zu meisternde Messlatte. Wolfgang Amadeus Mozart setzte diese Marke 1791 in seiner Oper "Die Zauberflöte" mit einer Arie der als "Königin der Nacht" bezeichneten Figur. Eine Version der deutschen Sängerin Edda Moser strebt zusammen mit anderen Audio- und Bilddaten an Bord der Raumsonde Voyager 2 dem interstellaren Raum zu – als Zeugnis der kulturellen Leistungen der Menschheit für andere intelligente Wesen im Kosmos. Aus medizinischer Sicht entspricht dieses f3 einem perfekten Zusammenspiel aller beteiligten Komponenten des Stimmapparats.

Wie dieser im Einzelnen funktioniert, ist jedoch trotz vielfältiger Forschungen noch immer nicht in allen Details verstanden. Zwar kannte schon der römische Arzt Claudius Galenus im 2. Jahrhundert die Knorpel des Kehlkopfs, und spätestens der französische Arzt Antoine Ferrein wies Mitte des 18. Jahrhunderts anhand von Tierpräparaten nach, dass die "Stimmbänder" den Ton erzeugen. Der spanische Gesangspädagoge Manuel Garcia vermochte diese etwa ein Jahrhundert später mittels Zahnarztspiegeln "bei der Arbeit" zu beobachten. Dennoch erweist sich das Gesamtsystem als so komplex, dass wir manche Aspekte erst heute untersuchen können, indem wir modernste Techniken einsetzen: Endoskope, Kernspintomografen, Drucksensoren und Computersimulationen. …