Zwei neue Fachartikel deuten darauf hin, dass der Meeresspiegel im Zuge des Klimawandels stärker steigen könnte als erwartet. In der ersten Publikation berichten Anders Levermann und Matthias Mengel vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung über eine mögliche Kettenreaktion in der Südpolregion. Am Rand des Wilkes-Beckens in der östlichen Antarktis blockiere ein wenige Kilometer breiter "Korken" aus Eis eine dahinterliegende, hunderte Kilometer lange Gletschermasse. Sollte dieser schmelzen, könne die Gletschermasse beschleunigt kalben, wobei sie sich landeinwärts zurückziehen würde. Das Eis, das dabei in den Ozean gelangte, könnte den Meeresspiegel um 3 bis 4 Meter steigen lassen.

Der zweite Artikel beleuchtet das Tauen in Grönland. Dort erstrecken sich vereiste Fjorde weit ins Innere der Insel hinein. Wie Mathieu Morlighem von der University of California in Irvine und seine Kollegen schreiben, seien diese Täler länger und tiefer als bisher angenommen. Deshalb dringe das wärmer werdende Meerwasser wohl auch weiter als bislang vermutet am Grund der Fjorde ins Inland vor und taue das Eis dabei von unten an – zusätzlich zur Schmelze von oben, die auf die steigenden Lufttemperaturen zurückgeht. Das Abtauen des grönländischen Eisschilds könnte dadurch schneller voranschreiten und stärker zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen. Tatsächlich verzeichnen Forscher eine Zunahme der jährlichen Schmelzperiode auf Grönland.